Der schwarze Peter liegt nun bei der EU, denn der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist auf die Forderungen der Gläubiger eingegangen.
Wenn man das Geschehen der letzten Tage und Wochen rückwirkend betrachtet, so wird man erkennen, dass dieser Schritt - womöglich von langer Hand vorgeplant - für Tsipras der einzig richtige ist, um die derzeitige Situation aufzulösen.
Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras und sein erster Finanzminister Yanis Varoufakis haben mit allen Mitteln versucht, ihren Wahlversprechen, die sie der griechischen Bevölkerung gegeben hatten und wegen denen sie gewählt worden waren, treu zu bleiben.
Doch ihre EU-Partner - oder sollte man besser sagen: EU-Kontrahenten? - beharren stur auf den Troika-Vorschlägen des Aide-Mémoire, die seit fünf Jahren geholfen haben,
die Abwärtsspirale für Griechenland in Gang zu setzen.
Als griechischer Ministerpräsident ist Alexis Tsipras letztendlich für das Wohl der griechischen Bürger verantwortlich, und das kann er nur garantieren, wenn die Banken wieder öffnen können und die Bürger soviel Vertrauen haben, dass sie nicht gleich noch alles, was möglich ist, von den Banken abholen.
Dies ist derzeit nur mit Hilfe der EZB machbar, und um diese Hilfe zu bekommen, muss sich der griechische Ministerpräsident offensichtlich den Forderungen der Gläubiger beugen, und sei es noch so schwer.
Ich würde viel lieber sehen, wenn ein rationales Denken bei den EU-Vorderen einsetzen würde und die verhängnisvolle Politik der Troika beendet würde, aber das ist wohl kaum zu erreichen.
Warum nun liegt der schwarze Peter bei der EU?
Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat zwei Stunden vor Ablauf des Ultimatums seine Reformliste - die im grossen und ganzen die Troika-Forderungen enthält - zusammen mit einem Antrag auf finanzielle Hilfe vorgelegt.
Die Reformliste ist wohl der einzige Weg, um überhaupt weitere finanzielle Hilfe zu bekommen, und die finanzielle Hilfe ist notwendig, denn mit dem Bankenrun sind die letzten finanziellen Mittel verschwunden, ist die griechische Wirtschaft endgültig zu Boden gebracht worden.
Damit ist der griechische Ministerpräsident den EU-Forderungen gefolgt.
Jetzt soll darüber entschieden werden.
Fall A: Die Reformliste und der Antrag auf Hilfe werden anerkannt
Fall B: Die Reformliste wird abgelehnt
Sie wird abgelehnt mit den Argumenten, dass sie unzureichend sei, dass sie nicht seriös sei, dass Tsipras nicht vertrauenswürdig sei, usw. - also mit den gleichen Argumenten, die man seit Wochen immer wieder hört.
Tritt Fall B ein, so zeigt sich eindeutig und endgültig, dass es einzig und allein darum geht, die derzeitige griechische Regierung zu stürzen.
Nichts anderes kann das bedeuten.
Tritt Fall A ein, so bedeutet dies, dass die EU-Oberen daran interessiert sind, Griechenland wieder aufzurichten und Europa und den Euro zu retten.
Wenn die EU-Kommision oder die EU-Versammlung am Sonntag sich für Fall B entscheidet, bedeutet dies das Ende eines geeinten Europas.
Zwist und Streitigkeiten werden eskalieren, bis Europa auseinanderfällt.
Nicht umsonst ist ein Rausschmiss aus dem Euro in den Regularien nicht vorgesehen: dies ist eine Aufforderung, zusammen zu stehen, zusammen zu wachsen, und miteinander Probleme zu lösen - zum Wohle der Menschen Europas.
Griechenland gehört zu den kleinsten Mitgliedsstaaten der EU und der Eurozone.
Wenn es gelingt, eine Einigung zu erzielen - und das ist machbar - dann werden EU und Eurozone gestärkt und gut vorbereitet für zukünftige Herausforderungen aus diesem Konflikt hervorgehen!
Hier wird abgestimmt:
A - Griechenland bleibt in Europa und in der Eurozone
B - Ende des geeinten Europa, Beginn des Niedergangs Europas
Es gibt genug Probleme in Europa.
Solidarität ist gefragt.
Flüchtlinge aus den südlichen Problemzonen stehen vor Europas Haustür.
Will man Griechenland ausschliessen, damit der in Griechenland strandende Flüchtlingsstrom vom übrigen Europa ferngehalten wird?
Oder ist der Zerfall und Niedergang Europas vielleicht der einzige Weg, die Flüchtlinge abzuwehren?
Viel besser wäre es allerdings, wenn Europa sich um die Lösung dieser Konflikte kümmert, die diesen Flüchtlingsstrom zur Folge haben.
Militär nützt da überhaupt nichts!
Auch dort liegt der schwarze Peter bei der EU.
Meine Empfehlungen:
Griechenland und kein Ende: Wie geht es weiter nach dem Referendum?
Eine Sendung des MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK vom 08.07.2015, 03:18 Min.
Verfügbar bis 06.07.2016
Die Griechen haben abgestimmt - doch wie geht es weiter mit dem Land? Wir berichten über die aktuelle Situation in Athen und zeigen, was Politik und Banken als nächstes planen.
Mein Kommentar:
Jan Pieter Krahnen, Finanzprofessor an der Uni in Frankfurt, berät nebenbei die Bundesregierung und die EU. Er bringt einige sehr interessante Vorschläge vor.
-.-
Tsipras: Dompteur der Innenpolitik
Eine Sendung des ZDF heute journal, 10.07.2015 21:58, VIDEO, 05:33
Laut dem deutsch-griechischem Politiker Jorgo Chatzimarkakis hat Tsipras mit dem Referendum die Lager geeint und hält griechische Akteure mit "europäischen Bewusstsein" für die Rettung als notwendig.
-.-
Erinnern Sie sich noch an meinen Blog vom letzten Mittwoch, 8. Juli?
Der Titel war: "Kommt nun die Endlösung?"
Andere sind auf ähnliche Wertungen gekommen:
Musterfall Griechenland?
Eine Sendung des ZDF, makro, 10.07.2015 21:00, VIDEO, 28:51
Bis Sonntag soll es eine "finale Lösung" in Sachen Griechenland geben.
Die Entscheidung für oder gegen Reformauflagen könnte auch auf andere Euro-Krisenländer ausstrahlen.
Nachtrag
Ich schrieb am Mittwoch:
Nachwort
Die Troika und deren Nachfolger haben genaue Vorschriften gemacht, was im Einzelnen in Griechenland geschehen soll. Das Ergebnis war niederschmetternd.
Es geht nicht an, dass einem Staat solch tiefgreifende Vorschriften gemacht werden, zumal die Verfasser dieser Vorschriften mit Sicherheit nicht die Kenntnisse über die lokalen Gegebenheiten haben, wie die griechische Regierung sie hat.
Dieses Eingreifen muss umgehend beendet werden. Die griechische Regierung hat ihre Berater selbst zu bestimmen, und die griechische Regierung ist angehalten, kompetente Berater zu bestellen.
-.-
Zwei Tage später, also heute, am 10. Juli, hat der deutsch-griechische Politiker Jorgo Chatzimarkakis in einem Interview in der ZDF-Sendung "Tsipras: Dompteur der Innenpolitik" genau diesen Vorschlag gebracht. In der EU-Verwaltung, so hat er berichtet, gibt es 2500 griechische Beamte. Aus diesem Potential könnten kompetente Berater bestellt werden.
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