Samstag, 17. Dezember 2011

Krieg der Währungen

Kürzlich konnte ich abends nicht einschlafen, und dann stieg da ein Gedanke auf:

War es nicht so, dass der Euro vor nicht allzulanger Zeit als Nachfolger des Dollars als internationale Leitwährung angesehen wurde?

Zum Glück gibt es das Internet, und das Internet vergisst (bisher) nicht.
Also habe ich nach Leitwährung Euro gegoogelt, und siehe da, mein Gedächtnis trügt nicht:

Der Euro jagt den Dollar
Süddeutsche Zeitung 24.09.2007 Von Helga Einecke

Heißt die neue Leitwährung bald Euro?
Frankfurter Allgemeine Zeitung 05.11.2007 Von Catherine Hoffmann

"Euro löst Dollar als Leitwährung ab"
SPIEGEL ONLINE 27.02.2008 Die Interviews führte Stefan Schultz

In zehn Jahren ist der Euro die Welt-Leitwährung
WELT ONLINE 22.04.2008 Autor: Jeffrey Frankel

Was ist da geschehen?

Gehört das, was wir jetzt erleben, zur Kategorie "Hochmut kommt vor dem Fall" oder zur Kategorie "da wurde die Rechnung ohne den Wirt gemacht"?

In der FAZ hiess es damals:

Das schwache Wachstum in Amerika, der schrumpfende Zinsvorsprung und die schwelende Kreditkrise lasten auf dem Dollar. Hinzu kommen die Defizite in Handels- und Leistungsbilanz, die schon seit langem bedrohliche Ausmaße annehmen. Ein solches Defizit bedeutet nichts anderes, als dass ein Land mehr konsumiert, als es produziert. Um den Konsum auf Pump zu finanzieren, braucht es sehr viel Kapital aus dem Ausland... Das Vertrauen der internationalen Anleger in die amerikanische Wirtschaft ist erschüttert. Und mit den niedrigen Zinsen verlieren Geldanlagen in Amerika weiter an Reiz...

Offensichtlich hat sich da ein Ausweg gefunden, der dem Dollar wieder die Vorherrschaft gibt:

Ratingagenturen stufen die Kreditwürdigkeit von Ländern herab. Damit steigen die Zinsen für Kredite enorm an, und die Gewinne werden dadurch erhöht. Nachdem das so gut und schnell funktioniert, kommt nun ein europaeisches Land nach dem anderen in die Abstufung, und wenn Deutschland Glück hat, gehört es zu den letzten.
Dann wird erwartet, dass auch Deutschland "sein Tafelsilber verkauft".
Aber was dann?

Wäre es nicht besser, wenn das übel bei der Wurzel gepackt würde?

Was ich nicht verstehe, ist, warum Deutschland und die anderen Länder überhaupt auf die Banken angewiesen sind?

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Geld regiert die Welt ...

... so hat man es uns schon immer erzählt.

Und jetzt können wir das täglich im Fernsehen beobachten und in der Zeitung lesen.

Eigentlich müsste jetzt jeder wissen, wie das mit dem Geld funktioniert.

Oder etwa nicht?

Woher kommt denn das Geld? Eigentlich?

Es wird gedruckt, Münzen werden geprägt. Soweit zu dieser Technik.

Und dann?

Dann gibt es die Bundesdruckerei an die Banken, und die Banken leihen es dann dem Staat für seine Staatsausgaben. Dafür bezahlt der Staat - Sie wissen schon, "L'État, c'est moi", der Staat bin ich - also wir - mit unseren Steuergeldern dann Zinsen, damit die Banken auch etwas davon haben, dass Sie das Geld aus der Bundesdruckerei uns zur Verfügung stellen. Inzwischen haben wir genug Geld von den Banken geliehen, dass wir nicht alles gleich wieder zurückzahlen können. Deshalb zahlen wir natürlich auch Zinsen für die Zinsen. Da kommt einiges zusammen.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn Joseph im Jahre Null das geschenkte Gold der Weisen zur Bank von Bethlehem gebracht hätte und dort zu, sagen wir mal 5% Zinsen angelegt hätte (ich weiss, so hohe Zinsen gibt es heutzutage nicht mehr für Sparguthaben), und das Sparbuch nach all den unruhigen Zeiten heute auftauchen würde und zur Gutschrift nun bei der Bank zu Bethlehem vorgelegt werden würde? Ich habe mir die Mühe gemacht, und den gutzuschreibenden Betrag - ausgehend von einem Euro als damalige Einlage, um die Sache einfacher zu gestalten - berechnet:

Josephspfennig - 1 € Spareinlage im Jahre 0, mit 5% Zinseszins,
dargestellt für jedes hundertste Jahr bis 2011:

0 1,00 €
100 78,25 €
200 10233,75 €
300 1345685,10 €
400 176959213,35 €
500 23270359080,95 €
600 3060081489601,10 €
700 402404564994681,70 €
800 52916706459895144,00 €
900 6958613460559822975,10 €
1000 915066422929835258725,65 €
1100 120332385628190834628711,90 €
1200 15823860069753543098165134,45 €
1300 2080857503156486046486405803,05 €
1400 273635379063996277153195159977,95 €
1500 35983396538165560608064650962794,25 €
1600 4731861906351092507875825391217288,65 €
1700 622245792640176028157893458308373702,45 €
1800 81826104421753260590552885325117877324,65 €
1900 10760235656123526794921374674569748757289,95 €
2000 1414984523502888133472310096744501004415737,05 €
2011 2420103721672447370559602570956598650103190,20 €

Sicherlich werden Sie nun meinen, diese 2 Septillionen seien ein Rechenfehler.
Bei nur 2% Zinsen, die man heute womöglich noch bekommt, hätten sich nur 113 Billiarden, nämlich 113.022.188.860.448.749,56 € ergeben.
Ist doch ein gutes Ergebnis bei einem Einsatz von nur einem Euro, oder?
Gibt im Rücktausch immerhin knapp 3 Milliarden Tonnen Gold.
Macht natürlich nachdenklich, wenn man bedenkt, dass seit Bestehen der Menschheit weniger als 200.000 Tonnen Gold gefördert wurden.
120.000 Tonnen sind davon noch übrig. Weltweit.

Natürlich können Sie es von einem Mathematiker nachprüfen lassen. Er wird zum gleichen Ergebnis kommen, ein Euro hin oder her. Vielleicht wird der Mathematiker Ihnen dann aber auch gleich sagen, dass das eine hypothetische Berechnung seit. Denn schliesslich existiert keine Bank mehr aus dem Jahre Null, und zwischendurch hat es viele verschiedene Währungen, viele Kriege und viele Währungsreformen gegeben.

Hier stellt sich nun die Frage, was aus den weltweit aufgehäuften Schulden wird.
Nicht nur Deutschland oder Griechenland hat Schulden, auch die USA und praktisch alle anderen Länder der Welt. Wie konnte so etwas überhaupt geschehen?

Sicherlich kennen Sie das Gesellschaftsspiel "Reise nach Jerusalem".

Dort werden soviele Stühle aufgestellt, wie es Teilnehmer an diesem Spiel gibt.
Dann beginnt die Musik zu spielen, und sobald die Musik abgebrochen wird, muss sich jeder Teilnehmer auf einen der Stühle setzen. Um die Sache spannender zu machen, wird nach jeder Spielrunde ein Stuhl entfernt, und da nur ein Teilnehmer einen der Stühle besetzen darf, scheidet nach jeder Spielrunde, also wenn die Musik stoppt, ein Teilnehmer aus.

Dieses Spiel wird gerade jetzt in Europa gespielt. Die Musik spielt nicht mehr. Rezession.
Jedes Land hat derzeit seinen Platz gefunden, nur Griechenland sucht noch.
Wenn Griechenland ausscheidet, kann wohl jeder erkennen, wie dieses Spiel weitergeht.

Wie ist es aber dazu gekommen? Es gibt viele Gründe, die da zusammenspielen, aber der wesentliche Grund, warum es immer wieder Krisen geben muss, sind unsere Buchhaltungsmethoden. Und das geht so, wie oben bereits erwähnt, es hängt mit den Zinsen und unserem Geldsystem zusammen. Denn das Geld für die Zinsen existiert überhaupt nicht. Das muss jeder erst einmal selbst organisieren. Und wer zuletzt kommt, den beissen die Hunde.

Wie bereits erwähnt: die Banken verleihen Geld - nicht nur an den Staat, sondern auch an uns Privatleute - und wir - sei es in Form des bürgenden Steuerzahlers oder privatim - verpflichten uns dieses Geld zurückzuzahlen. Damit ist das Geld abgesichert, genau, durch unsere Verpflichtungserklärung bzw. Schuldanerkenntnis, ist das Geld gesichert. Früher gab es mal eine Goldsicherung, aber die wurde in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts abgeschafft, also in eine Schuldensicherung umgewandelt. War natürlich sehr praktisch. Man brauchte das Gold nicht mehr, und ausserdem ist es doch ein grosser Vertrauensbeweis, wenn jeder Kreditnehmer das geliehene Geld durch sein Versprechen der Rückzahlung sichert.

Zusätzlich zum geliehenen Geld will die Bank aber die banküblichen Zinsen haben.

Und da beginnt das Problem. Denn da das real existierende Geld nur deshalb existiert, weil ein Kredit aufgenommen wurde, gibt es auch nur dieses Geld.
Woher sollen nun die Zinsen kommen?
Und damit wären wir bei unserer Reise nach Jerusalem.

Das 21. Jahrhundert hat rein rechnerisch zwar schon begonnen, aber es würde wirklich richtig anfangen, wenn unsere führenden Politiker vor die Kamera treten würden und öffentlich mitteilen würden, dass sie das Problem der Verschuldung und der Wirtschaftskrisen nun endlich gelöst hätten, z.B. so:

"Schon zu Beginn unserer Verhandlungen haben wir ein Team von kundigen Wissenschaftlern gebeten, sich der Weltfinanzkrise anzunehmen, sie zu analysieren, herauszufinden, warum es immer wieder diese Krisen gibt, herauszufinden, warum es zu dieser immensen Verschuldung gekommen ist, und was getan werden muss, um ein für alle Mal die Grundlagen für andauernden Frieden und Wohlstand zu schaffen.
Den Wissenschaftlern ist es gelungen, diese Aufgabe zu lösen.
Sie haben herausgefunden, dass es ein Fehler in unseren Buchhaltungssystem ist, der immer wieder für einen Überlauf in den Berechnungen geführt hat, und der letztendlich dabei war, den gesamten Wohlstand der im letzten Jahrhundert erarbeitet wurde, zu zerstören. Sie haben einen Plan ausgearbeitet, und dieser Plan B tritt nun in Kraft, nachdem wir festgestellt haben, dass unser Plan A uns nur noch tiefer in die Misere gerissen hat.
Ab sofort wird die Software aller Bank-Computer auf das neue Buchungssystem umgestellt. Statt von unseren Bürgern Zinsgelder zu erwarten, die nie existiert haben, werden nun bei allen Guthaben Lagerungszinsen abgeschrieben. Damit steht nun immer ausreichend Geld zur Verfügung. Pensionen und Renten sind sichergestellt
."