Wie sollen wir da wieder herauskommen?
Europa hat dem Iran versprochen, den Iran-Deal beizubehalten.
Was heisst das?
Der Iran erwartet, dass europäische Firmen erneut oder weiterhin Geschäftsbeziehungen mit dem Iran betreiben - Waren liefern und Investitionen tätigen, und auch Waren aus dem Iran beziehen.
Um das versichert zu bekommen, war der iranische Aussenminister gestern in Brüssel.
Auf seinem Wege nach Brüssel hatte er bereits die chinesische und die russische Regierung besucht.
Auf dem Bild zeigen sich EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini und Irans Außenminister Mohamed Dschawad Sarif zuversichtlich. Worauf mag diese Zuversicht begründet sein?
Über allen Verhandlungen hängt das Damoklesschwert der USA:
Sanktionen ab sofort für alle, die entgegen dem Willen des amerikanischen Präsidenten Handel mit dem Iran treiben - solange, bis der Iran seine Unterstützung der Kriege im Nahen Osten eingestellt hat.
Grosse Firmen werden nicht das Risiko eingehen, vom amerikanischen Markt ausgeschlossen zu werden, sobald sie nur ein Ersatzteil an den Iran liefern.
Dagegen sind die Regierungen der EU machtlos.
Dagegen ist auch Deutschland machtlos.
Da hilft nur ein anderes Schwert:
Ein Schwert, mit dem der gordische Knoten zerschlagen wird.
Zur Auffrischung des Geschichtsunterrichts:
Der Sage nach prophezeite ein Orakel, dass derjenige die Herrschaft über Asien erringen werde, der den Gordischen Knoten lösen könne. Plutarch und Quintus Curtius Rufus beschreiben, dass im Frühjahr 333 v. Chr. Alexander der Große auf seinem Zug Richtung Persien diesen Knoten einfach mit seinem Schwert durchschlagen und damit seinen Siegeszug durch Asien eingeläutet habe.
Also, diesem historischen Beispiel folgend, kann dieser Knoten gelöst werden.
Wie soll das aussehen?
Iran will wieder wirtschaftlich stark werden. Dazu war der Iran bereit, auf sein Programm zum Bau einer Atombombe zu verzichten. Zwölf Jahre lang haben sich die USA, Deutschland, China, Frankreich, Großbritannien und Russland bemüht, einen dementsprechenden Vertrag durchzusetzen.
Dieser Vertrag war nur dazu gedacht, eine iranische Atombombe zu verhindern.
Inzwischen hat sich die Weltlage verändert.
Der Nahe Osten ist ein Spannungsfeld, und der Iran spielt da mit:
Quelle: Wer mit wem im Nahen Osten ZDF 11.05.2018
Nun liegt es also an den Europäern, dem Iran klarzumachen, dass es nur einen Weg gibt, diesen gordischen Knoten zu lösen: der Iran muss seine Truppen aus Syrien und den anderen betroffenen Ländern zurückziehen, um dort Frieden zu ermöglichen.
Wenn dieser gordische Knoten zerschlagen ist, kann die ganze Region aufatmen, wenn das Morden dort denn endlich aufhört.
Mit diesem Parforceritt mag es gelingen, dass die USA von Sanktionen gegen Europa absehen, wenn die europäischen Staaten trotz Abmahnung weiterhin Handel mit dem Iran treiben.
Der einzige Haken:
Wenn dieser Befreiungsschlag Erfolg hat, könnte es sein, dass Donald Trump diesen Sieg auf seine Kappe schreibt.