Sonntag, 31. Oktober 2010

Was haben ePerso und AKW-Laufzeitverlängerung gemeinsam?

Am 1. November 2010 gibt es den neuen deutschen Personalausweis mit integriertem RFID-Chip zur Speicherung der persönlichen Daten, die drahtlos ausgelesen werden können.

Sowohl ein Fingerabdruck kann aufgenommen werden, also auch die Berechtigung der Verwendung als Unterschrift-Ersatz zur Benutzung im Internet.

So wie bei der beschlossenen Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke hat sich die Bundesregierung auch beim "elektronischen Personalausweis" entschieden, das Risiko auf den einzelnen Bürger abzuwälzen.

Die Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke erhöht die Gefahr körperlicher Schädigung der Bewohner, und die Ausgabe unsicherer Lesegeräte erhöht die Gefahr finanzieller und persönlicher Schädigung der Inhaber.

Generell wird das komplette Risiko, das der neue deutschen Personalausweis darstellt, auf den Inhaber abgewälzt, und wie bei den deutschen Atomkraftwerken gibt es keine Versicherung dagegen, im Gegenteil, im Schadensfall muss der Inhaber nachweisen, dass er nicht der Verursacher des Schadens ist, und das ist kaum möglich.
Er ist verpflichtet, auf seinem Computer Anti-Virus-Programme und eine "Firewall" einzurichten, aber das ist mit Sicherheit nicht ausreichend.

Was ist, gesetzt den Fall, dass der eigene Computer wirklich sicher ist, wenn der Ausweis an irgendeiner anderen Stelle verwendet wird? Wer garantiert dort für die Sicherheit?

Darüber lässt niemand etwas verlauten.

Von Seiten der Regierung heisst es nur: "Der neue Personalausweis ist sicher!" - genauso wie es heisst: "Die Atomkraftwerke sind sicher!" Die Frage ist nur, wo wird eher der erste GAU auftreten.

Bereits im Jahr 2000 haben wir bei der Europäischen "eEurope Smart Card Initiative" in Helsinki alle Sicherheitsprobleme von elektronischen Personalausweisen - damals gab es noch die gegen Funk-Ausspähung sicheren Chipkarten-Ausweise - diskutiert, mit dem Ergebnis, dass es nur eine Lösung für die Sicherheit gibt: eine Lesegerät außerhalb des Computers mit eingebautem Mikroprozessor sowie eigener Tastatur und Display, die nicht durch den Computer und/oder das Internet beeinflußt werden kann!

Es ist ein Mythus, dass Daten auf dem Computer sicher sind, insbesondere, wenn es sich um MS-Software handelt.


Art 64 Grundgesetz:
(2) Der Bundeskanzler und die Bundesminister leisten bei der Amtsübernahme vor dem Bundestage den in Artikel 56 vorgesehenen Eid.

Art 56 Grundgesetz:
"Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe."
Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden.

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Meine heutige Empfehlung:

3sat neues: Sendung am 31.10.2010
Die Themen der Sendung: Der ePerso im Test / Kritik am ePersonalausweis / Die Macht der Öffentlichkeit / Animago Award 2010 / Spiele: Lego Universe
VIDEO, 28:05 Minuten

Stuttgart21 - die Schlichtung, 2. Tag

Am Freitag, dem 29. Oktober 2010 wurde die Schlichtung zur Auseinandersetzung um das Projekt der Deutschen Bundesbahn, den Stuttgarter Hauptbahnhof abzureissen, und innerhalb von 15 Jahren unter die Erde zu bringen, weitergeführt.

Hier einige Sendungen zur Schlichtung und kurze Zitate daraus:

Stuttgart 21 - Die Schlichtung: Verhandlungen gehen doch weiter
Quelle: SWR, Video 27:21 Minuten


Nach der ersten Ansage war erst einmal eine Störung von ca. 3 Minuten. Dann ging es um Baumassnahmen, die derzeit von der Bahn durchgeführt werden. Angeblich sind die derzeitigen Arbeiten abgesprochen. Herr Kefer nimmt Stellung. Es gibt Einreden. Nach Aussage von Herrn Kefer sind die derzeitigen Arbeiten Einzelschritte, die nicht bei den Vorgesprächen notiert worden sind.

Wieder einmal: Die Gesichter sprechen Bände!

Abschliessende Bemerkung von Herrn Geissler:
"Ich bedanke mich für die Kooperationsbereitschaft, auch das letzte Mal, und in der Zwischenzeit bis wir uns heute wieder getroffen haben. Sie sehen, in der Presse wird alles mögliche geredet, es gibt Leute von der Seite und von der anderen Seite, die wollen unser demokratisches Experiment natürlich nicht so gut finden und möglicherweise auch verhindern, auf die brauchen wir aber garnicht hören. Es ist kein Anschlag auf die parlamentarische Demokratie, sondern es ist eine Ergänzung, eine zusätzliche demokratische Aktion, um das zu erreichen, was eben in der Zeit des Internet absolut notwendig ist, nämlich die Bevölkerung zu informieren über die Hintergründe, über die Gründe, über die Fakten, die für eine wichtige politische Entscheidung getroffen worden sind, und dass wir diese Fakten austauschen, von Angesicht zu Angesicht, das sage ich noch einmal: auf Augenhöhe, in dem wir Argument gegen Argument stellen, und es ist etwas Neues. Ich finde, auch etwas eine Innovation, die für zukünftige Fälle hier oder irgendwo anders in Deutschland durchaus auch beispielgebend sein kann. Wenn wir es hier richtig machen. Aber davon bin ich überzeugt."

S21: Gegner Palmer über die Leistungsfähigkeit des Projekts
Quelle: SWR, Video 29:18 Minuten


Zitat Boris Palmer:
"Und jetzt darf ich Ihnen als Mathematiker sagen, Fahrplankonstruktion ist extrem schwierig. Sie ist nicht mit Rechenprogrammen machbar, Sie müssen's mit dem Kopf tun. Es gibt dafür kein Computerprogramm, und wenn die besten Leute keinen besseren Zwischenstand hinkriegen als diesen, dann steht sehr zu befürchten, dass zwar noch die kleinen Optimierungen gelingen, zu denen Herr Kefer gesprochen hat, d.h. Sie kriegen es wenigstens hin, dass die Züge nicht zusammenstossen."

Das wundert mich wirklich: Es gibt kein Computerprogramm für Fahrpläne?
Diese Aussage blieb unwidersprochen.

Stuttgart 21 - Die Schlichtung: Worum es an diesem Tag geht
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=5713298
Quelle: SWR, Video 05:57 Minuten


Wieder einmal: Die Gesichter sprechen Bände!
Sehr gute Zusammenfassung der Sitzung vom 22.10 durch Herrn Geissler!

S21: Bahnvorstand Kefer über die Leistungsfähigkeit des Projekts
Quelle: SWR, Video 24:59 Minuten


Herr Kefer:
"Ich mache hier gleich von Anfang an das Aviso, dass es nicht das Ziel sein wird, hier zu beweisen, dass der Kopfbahnhof grundsätzlich schlecht ist, sondern, was wir zeigen wollen, ist, warum ein Durchgangsbahnhof mit geringerer Fläche und mit geringeren Gleisen eine durchaus gleiche oder noch höhere Kapazität haben kann als ein Kopfbahnhof."

Hier wird nun offensichtlich eine andere Zielrichtung angestrebt.

Herr Kefer ist nun mal ein gewiefter Rhetoriker.

Meine Vermutung: Wahrscheinlich läuft es am Ende darauf hinaus, dass ein Tunnelbahnhof nur deshalb gebaut werden soll, damit die Stadt durch Entfernung der Gleise und der Bäume des Parks eine zusätzliche Fläche für die Stadtentwicklung bekommen soll. Das wird dann wohl als die treibende Kraft des Projektes dargestellt werden.

Die Flughafen-Anbindung kann natürlich auch eine Rolle dabei spielen.

Beim Vergleich von Kopfbahnhof und Durchgangsbahnhof hat Herr Kefer geschummelt, um das mal so zu sagen:

Beim Kopfbahnhof hat er die längste Querung dargestellt, die natürlich die längste Zeit benötigt, während er beim Durchgangsbahnhof keine Querung vorgestellt hat. Mal wieder ein rhetorischer Kunstgriff.

Zitat:
"Wenn wir schnelle Verbindungen schaffen wollen, dann können wir nicht überall zehn Minuten anhalten."

Herr Kefer zeigt Videos über die Haltezeiten. Umsteigezeiten zwischen verschiedenen Zügen werden dabei nicht berücksichtigt. Ein weiterer Kunstgriff!

Herr Kefer stellt dar und behauptet, dass theoretisch ein achtgleisiger Durchgangsbahnhof die gleiche Leistungsfähigket wie ein Kopfbahnhof mit 16 Gleisen hat.

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Die Kommentare:

S21-Schlichtung: "Immer wieder fehlen Beweisdokumente"
Quelle: SWR, Video 01:30 Minuten


S21-Schlichtung: Aussage gegen Aussage
Noch keine Annäherung - auch in der zweiten Schlichtungsrunde. Gegner und Befürworter des Bahnprojekts Stuttgart 21 sitzen seit Freitag, 10 Uhr, wieder im Stuttgarter Rathaus zusammen. Unter der Leitung von Heiner Geißler geht es erneut um die Leistungsfähigkeit des geplanten Durchgangsbahnhofs.
Quelle: SWR, Video 01:08 Minuten


Zusammenfassung:

S21: Leistungsfähigkeit weiter umstritten
Mehr als sieben Stunden lang haben Befürworter und Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 am Freitag im Stuttgarter Rathaus ihre Argumente ausgetauscht. Zweite Schlichtungsrunde mit Vermittler Heiner Geißler. Es ging erneut um die Frage, was der tiefergelegte neue Bahnhof tatsächlich leisten kann. Doch wirklich näher sind sich die beiden Konfliktparteien nicht gekommen.
Quelle: SWR, Video 01:13 Minuten


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Meine Empfehlung - weitere Fernsehsendungen zum Thema:

Tausende demonstrieren gegen S 21
Die Menschen auf der Straße wollen mit ihrem Protest den S21-Gegnern am Schlichtungstisch den Rücken stärken.
Quelle: SWR, Video 01:32 Minuten


3sat neues: Sendung am 31.10.2010
Zu Beginn der Sendung: Stuttgart21
VIDEO, 28:05 Minuten

Freitag, 22. Oktober 2010

Stuttgart21 - die Schlichtung

Am Freitag, dem 22. Oktober 2010 hat die Schlichtung zur Auseinandersetzung um das Projekt der Deutschen Bundesbahn, den Stuttgarter Hauptbahnhof abzureissen, und innerhalb von 15 Jahren unter die Erde zu bringen, begonnen.

Im ZDF hiess es, dass bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg im März nächsten Jahres die Baumaßnahmen ausgesetzt würden.

Als Premiere in Deutschland wird diese Schlichtung im Fernsehen übertragen.
Ich werde hier die Links angeben, unter denen Sie sich diese Verhandlungen nun anschauen können:

Der erste Schlichtungstag, Freitag, der 22. Oktober 2010

SWR Fernsehen bringt die ersten sechs Abschnitte der Schlichtung, angefangen mit der Einführung durch Dr. Heiner Geissler.

Die einzelnen Abschnitte sind zwischen 25 und 62 Minuten, insgesamt sind es fast sechs Stunden, meines Erachtens einmalig in der Geschichte des Deutschen Fernsehens.

Ich habe mir die Eröffnung durch Herrn Geissler und die beiden ersten Präsentationen angeschaut, und ich muss sagen, wirklich sehenswert, ausserordentlich spannend:

Stuttgart 21 - Die Schlichtung:
Eröffnung durch Heiner Geißler

Quelle: SWR VIDEO, 25:00 Minuten


Stuttgart 21 - Die Schlichtung:
Präsentation Volker Kefer, Vorstand Technik, Deutsche Bahn

Quelle: SWR VIDEO, 40:55 Minuten


Stuttgart 21 - Die Schlichtung:
Präsentation Boris Palmer, Grüne, Oberbürgermeister Tübingen / Präsentation Gangolf Stocker, Initiative Leben in Stuttgart - kein Stuttgart 21

Quelle: SWR VIDEO, 32:52 Minuten


Nach diesen Präsentationen begann die Diskussion. In der ersten Runde ging es hauptsächlich über den Güterverkehr. Dabei kam heraus, dass der Neubau der schnellen Parallelstrecke zur alten Strecke über die Geislinger Steige die Kapazität für den Güterverkehr erhöhen wird. Die alte Strecke würde dann für schwere Güterzüge verwendet - die natürlich geeignet sein müssen, die Geislinger Steige überwinden zu können, und die Neubaustrecke ist nur für leichte Güterzüge bis zu 100t geeignet.

Interessant dabei ist, dass diese mit der geplanten Neubaustrecke erhöhte Kapazität für Güterzüge nicht genutzt werden kann, weil nicht genügend finanzielle Mittel für den dringenden Ausbau der Rheintalstrecke vorhanden sind - abgesehen davon, dass Teile davon noch nicht weit genug in der Planung sind, und dass es einen Engpass über Mannheim gibt, für den auch die finanziellen Mittel fehlen.

Eine wichtige Priorität wäre die Entlastung der Strasse vom LKW-Verkehr, weil der haupsächlich für Stockungen im Verkehrsfluss verantwortlich ist, indem mehr Warentransporte über die Bahn erfolgen. Die Gegner von Stuttgart21 sind der Meinung, dass die finanziellen Mittel besser angelegt wären, wenn man sie in die Verbesserung des Güterverkehrs stecken würde.

Alles in allem, der geplante Bahnhof Stuttgart21 ist nicht für den Güterverkehr.

Herr Kefer erwähnte zwischendurch, dass der Stuttgarter Hauptbahnhof nicht abgerissen würde. Das ist ja das Ziel der Gegner von Stuttgart21. Seltsam, dass niemand sich diese Aussage hat bestätigen lassen.

Erwähnt wurden auch die Kopfbahnhöfe in Frankfurt und München, die nach wie vor bestehen bleiben. In Frankfurt wurde durch den Bahnhof am Flughafen ein Durchgangsverkehr für den Personenfernverkehr geschaffen, und das hat grosse Vorteile. Der Kopfbahnhof in Frankfurt bleibt bestehen, und die Fernzüge, die durch den Flughafen-Bahnhof fahren, machen jeweils Zwischenstop am Frankfurter Hauptbahnhof, der nach wie vor ein Kopfbahnhof ist und auch bleiben wird.

Nach dem Abschluss dieser ersten Runde wurde der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim interviewt.
Er berichtet von einer Umfrage, die ergeben hat, dass 70% der Stuttgarter Bürger diese Schlichtung für wichtig halten und daran interessiert sind. Er empfiehlt, dass diese Art von Schlichtung als "Blaupause" für zukünftige Grossprojekte dient - allerdings zu Beginn, und nicht erst am Ende.

Quintessenz der ersten Runde:
Die Steigerung des Verkehrsaufkommens durch den Bau des Bahnhofs Stuttgart21 wird bisher mit 3% beziffert, und für diese geringe Steigerung ist ein immenser finanzieller Aufwand nötig - die finanziellen Mittel wären besser angelegt in der Verbesserung des Güterfernverkehrs. Ausserdem steht noch die Aussage im Raum, dass der bisherige Stuttgarter Hauptbahnhof als Kopfbahnhof wesentlich leistungsfähiger ist als der geplante unterirdischen Neubau.

Hier die Diskussion in voller Länge:
Stuttgart 21 - Die Schlichtung: Diskussion I
Quelle: SWR VIDEO, 60:58 Minuten



Die zweite Diskussionsrunde:

In der zweiten Diskussionsrunde ging es um die Vorteile und Nachteile zweier Bahnhofsysteme: Kopfbahnhof und unterirdischer Durchgangsbahnhof.

Der bisherige Stuttgarter Hauptbahnhof ist ein Kopfbahnhof, bei dem alle Reisenden in einer Ebene ohne Treppen zwischen allen Zügen wechseln können.

Der geplante Neubau ist ein unterirdischer Durchgangsbahnhof, bei dem alle Reisenden in der Regel mehr als eine Treppe benützen müssen.

Interessanterweise sprach am Anfang Herr Bräuchle (Iniative Pro Stuttgart 21) - Herr Kefer vom Bundesbahnvorstand der Bahn erwähnte das in der ersten Diskussionsrunde - dass der Stuttgarter Hauptbahnhof nicht abgerissen würde. Wieder hat niemand an dieser Stelle nachgehakt, denn ich hätte gerne gewusst, wie das gemeint ist, zumal ja bereits ein Teil abgerissen wurde.

Er hat nicht gesagt: "Der Bahnhof wird nicht abgerissen, sondern nur die Gebäude"
- so etwas ähnliches habe ich vor Jahrzehnten schon einmal gehört, damals sagte ein Baureferent: "Der Brunnen bleibt bestehen, nur die Figuren kommen weg".

Scheint mir eine gängige Aussage bei Bauvorhaben zu sein, um die betroffenen Menschen überrumpeln zu können.

Es war schon interessant, in die Gesichter der Mitwirkenden zu schauen. Bei Herrn Kefer und der Umwelt-Ministerin Tanja Gönner hatte ich das Gefühl, ihr Gesichtsausdruck würde mir sagen, dass sie doch besser Bescheid wissen würden, aber das freundlicherweise nicht heraushängen lassen wollten. Aber sehen Sie selbst:

Stuttgart 21 - Die Schlichtung: Diskussion II
Experten-Gespräch mit Brigitte Henkel-Waidhofer, Badisches Tagblatt +++ Fortsetzung der Diskussion über die Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhof contra Durchgangsbahnhof
Quelle: SWR VIDEO, 60:58 Minuten


Hier meine Notizen zu den wichtigsten Mitteilungen:

Egon Hopfensitz war vierzehn Jahre lang, 1981-1994, Leiter des Stuttgarter Hauptbahnhofes. Daher spricht er aus eigener Erfahrung zu den strittigen Punkten:

Beim bestehenden Stuttgarter Hauptbahnhof gibt es aufgrund der Fahrplangestaltung keine Blockaden zwischen Einfahrten und Ausfahrten.

Beim geplanten Tiefbahnhof dagegen wären sämtliche Ausfahrten in Richtung Stuttgart-Wangen gesperrt, wenn von Gleis eins ein Zug zum Flughafen fahren würde.
Insgesamt würde es am geplanten Tiefbahnhof mehr als ein Dutzend Ausschlüsse geben.

Das Tiefbahnhof-Konzept hat nur 32 Fahrstrassen, der bisherige Kopfbahnhof hat mehr als die doppelte Anzahl, nämlich 72 Fahrstrassen.

Der geplante Tiefbahnhof bietet keine Vorteile, trotz mehr als 4 Milliarden Euro Investitionssumme.

Fahrtrichtungswechsel:
Wenn in den Stuttgarter Kopfbahnhof ein ICE einfährt, dann steht der Zugführer für die Ausfahrt am Ende des Zuges bereit. Daher braucht der Richtungswechsel nur zwei Minuten.

Im geplanten Tiefbahnhof wird die "Durchbindung" benötigt, weil kein ausreichender Platz vorhanden ist, z.B. wird es keine Trasse zum Wartungsbahnhof Untertürkheim geben.
So kann zum Beispiel der ICE Zürich-Stuttgart dann nicht in Stuttgart enden, sondern muss nach Nürnberg "durchgebunden" werden. Durchgebundene Züge sind eine Notlösung.

Soweit zum fachlichen Bericht von Herrn Hopfensitz.

Es besteht Übereinstimmung, dass von den Befürwortern die Aussage, der geplante Neubau sei leistungsfähiger, nicht mehr verwendet wird. Es wird sogar bestritten, dass diese Aussage jemals gemacht wurde. Bemerkenswert!

Herr Kefer sagt, dass es im Stuttgarter Kopfbahnhof mehr Gleisausschlüsse gäbe als im geplanten Tiefbahnhof. Also sind in diesem Punkt die Ansichten unterschiedlich.

Meine Meinung:
Diese Gleisausschlüsse hängen vom Fahrplan ab, und mehr Ein- bzw. Ausgangsgleise sind da im Vorteil. Die Anzahl der Ein- bzw. Ausgangsgleise ist bei dem geplanten unterirdischen Bahnhof begrenzt.

Prof. Martin (Befürworter) sagt, dass der geplante Neubau nur 1/3 höhere Leistungsfähigkeit haben würde.

Zwischenbemerkung von einem Vertreter von ProBahn, Schweiz:
Der Kopfbahnhof Zürich hat einen exzellenten Taktfahrplan, halbstündlich mit Umsteigemöglichkeit zwischen zwölf Richtungen.

Es herrscht Einigkeit darüber, dass der Kopfbahnhof Stuttgart wesentlich effektiver ist als die bestehenden Kopfbahnhöfe Frankfurt und München.

Mir ist schleierhaft, warum von den Befürwortern behauptet wird, dass mit wesentlich weniger Gleisen wesentlich mehr Verkehr abgewickelt werden können soll.

Am Ende der Diskussionsrunde II ist eines klar:

Der geplante Neubau bietet für 4.1 Milliarden Euro maximal 33% Leistungssteigerung - nach den bisherigen Behauptungen der Planer. Es ist sogar zu vermuten, dass diese Zahl nur mit Rechentricks erreicht wurde. Eine teure Geschichte, die die Stadt Stuttgart und ihre Bürger für zehn Jahre stark belasten würde!


Die dritte Diskussionsrunde:

Dies war die grosse Stunde von Herrn Kefer, Vorstand Technik der Deutschen Bahn.

Hier einige seiner Ausführungen:
"Ein Durchgangsbahnhof hat systemtechnische Vorteile, die systemtechnischen Nachteile des Kopfbahnhofs in Stuttgart sind durch Zusatzmassnahmen relativ gut gelöst. Das gilt für den heutigen Zustand.

Wenn wir in die Zukunft denken, dann haben wir zwei Dinge zu berücksichtigen, nämlich, entsprechend des Wachstums, und eben doch die Durchbindung.

Mit dem heutigen Stuttgarter Bahnhof ist das nicht möglich.
Diese Überwerfungsbauwerke sind die Antwort auf die systembedingten Nachteile eines Kopfbahnhofes.

Wenn wir einen Kopfbahnhof haben und kreuzen wollen und sie wollen es nicht höhengleich machen, damit sie keine Ausschlüsse bekommen, müssen Sie zwangsweise Überwerfungsbauwerke bauen... Das bedeutet auch, je grösser der Bahnhof ist, und je mehr Sie durchbinden wollen, und je mehr Sie fahren wollen, immer mehr...
Das heisst, ich kann selbstverständlich in jeder Art von Bahnhof mich irgendwann darauf einpendeln, dass ich ein solches Problem technisch löse. Die Frage ist nur, wie elegant geht das. Und da sagen wir, ist der Kopfbahnhof mit Sicherheit nicht die Lösung, die in die Zukunft tragen wird.
Jetzt geht es darum, ob die Kapazität des geplanten Durchgangsbahnhofes ausreicht. Wir haben Gutachten gemacht ... wo wir nachgerechnet haben dass der Durchgangsbahnhof in der geplanten Art und Weise 1/3 mehr Kapazität aufweist als der Kopfbahnhof.

Jetzt können Sie argumentieren: Dann rüst ich halt den Kopfbahnhof nach. Ja, das können Sie, aber die Frage ist, was dann am Ende des Tages die günstigste Lösung ist. Jedenfalls so, wie es heute ist, geht es nicht.

Wenn wir das festgestellt haben, wo die Unterschiede in der Argumentation liegen, ist doch jetzt die grosse Frage, was will ich denn eigentlich für ein Verkehrsprogramm in der Zukunft fahren? Denn nur wenn ich das kenne, kann ich eine solche Frage qualifiziert beantworten und deswegen bin ich dafür, dass wir jetzt mal ein Stück weit diese Thematik des Kopfbahnhofes vielleicht auf die Seite legen und uns mal angucken was gefahren werden soll. Weil wenn das bekannt ist, dann kann man die Frage auch nochmal aufgreifen."


Hier stellt sich nun heraus, dass das zukünftige Verkehrsprogramm nicht bekanntgegeben wurde. Allein das zeigt schon, dass es kein Wunder ist, dass die Wogen so hochschlagen. Und dann stellt sich noch heraus, dass das vorgestellte neue Konzept nur vorläufig ist! Es ist schon wirklich erstaunlich, dass Herr Kefer nun seine Betrachtungen auf einem vorläufigen Konzept aufbauen will, sehr bedenklich!

Zum Abschluss dieser Runde sagte Herr Kefer dann noch:
"Wir sind hier an einer ziemlich normalen Stelle im Prozess!"
Warum lief dieser "Prozess" nicht schon vor Jahren, wie von den Gegnern von Stuttgart21 gefordert?
"Das was wir hier diskutieren, muss gelöst werden!"
Eine vernünftige Aussage, aber warum erst unter diesem starkem öffentlichen Druck der S21-Gegner?
"Selbst wenn sich eine Eingleisigkeit nach eingehender Prüfung als nicht ausreichend erweist, hat man die Möglichkeit, dort nachzubessern."
Wie will man bei einem unterirdischen Bauwerk eine Nachbesserung bewerkstelligen?

Herr Kefer ist ein gewieferter Rethoriker, aber dem aufmerksamen Beobachter entgehen seine widersprüchlichen Bemerkungen nicht.

Sehen sie selbst:


Stuttgart 21 - Die Schlichtung: Diskussion III
Quelle: SWR VIDEO, 43:53 Minuten


Weitere Punkte, die Inhalt dieser Diskussionsrunde waren:

Bereits 2005 wurde die Forderung gestellt, die Leistungsfähigkeit des Durchgangsbahnhofes mit einer Haltezeit von 3 Minuten für Fernzüge und 4 Minuten für Nahverkehrszüge zu berechnen. Im Gutachten, das 1/3 höhere Leistungsfähigkeit ergibt, wurde eine Haltezeit von 1 Minute vorausgesetzt. Die Planung hatte wohl einen Bahnhof für Sprinter vorgesehen.

Erst vor zwei Tagen wurde den S21-Gegnern das Betriebskonzept übergeben.
Es war bereits 1995 angefordert worden!

Darauf aufbauend wurde ein Fragenkatalog erstellt: Die wesentliche Frage ist, ob in der Spitzenzeit weniger Züge abgefertigt werden können als mit der bisherigen Lösung.

Feststellung von Herrn Palmer:
Die Planung ist eine Sparversion - es wurde an vielen Ecken gespart - weil die gesamte Anlage sonst so teuer wäre, dass man sie sich nicht mehr leisten kann.
Es stellt sich heraus, dass das Gutachten mit der Angabe von 1/3 höherer Leistung 2005 aufgrund eines Gerichtsbeschlusses zu Mannheim erstellt wurde, also nicht in erster Linie für Stuttgart gedacht war. Die Bahn hat sich also ein neues Gutachten zur Planung von Stuttgart21 gespart.

Es wurden Haltezeiten diskustiert. Es hiess, dass überall in Deutschland ICEs zum Ein- und Aussteigen nur eine Minute halten, es wurden Beispiele genannt. Jemand schaute im Kursbuch nach und da ergaben sich Haltezeiten von drei Minuten. Ein Unterschied von 200% zwischen Theorie und Praxis?

Es ist schon sehr interessant, dass Herr Professor Dr. Martin für die Berechnung der Leistungssteigerung durch einen Neubau den Zugführerwechsel beim Kopfbahnhof auf sechs Minuten festgelegt hat - und dabei arbeitsrechtliche Vorschriften erwähnte, aber beim geplanten Neubau für die Fahrgäste nur eine Minute Haltezeit veranschlagt hat. Er sagt, dass das Mindesthaltezeiten seien, die mit der Fahrplanwirklichkeit nichts zu tun haben müssen. Sollten denn nicht realitätsnahe Zahlen zur Berechnung eines Neubau-Vorteils verwendet werden?

Für wen fährt denn die Bahn?

Wenn das wirklich die Regel ist - wie behauptet wurde - ist es kein Wunder für mich, dass es soviele Verspätungen bei der Bahn gibt.

Dr. Weigand sagt, dass die Befürworter einen integralen Taktfahrplan haben wollen, auch aufgrund europäischer Erwartungen.

Der geplante Neubau in Stuttgart soll allerdings kein integraler Knotenpunkt sein.
Integraler Knotenpunkt bedeutet, dass man zur gleichen Zeit mehrere Umsteigemöglichkeiten hat.

Meine Anmerkung:
In einem Kopfbahnhof ist das möglich. Wenn aber in einem Durchgangsbahnhof die Leute aussteigen und auf eine der nächsten Verbindungen warten müssen, wo wird es in dem geplanten Tunnelbahnhof Platz für all diese Menschen geben?

Mich wundert sehr, dass niemand auf diesen Widerspruch eingegangen ist.
Herr Geissler hat Herrn Dr. Weigand leider nicht zu Ende reden lassen.

Das neue Fahrplankonzept weist weniger Züge auf als bisher im Kopfbahnhof liefen!

Dann kam die Aussage eines Befürworters, dass 16 Gleise eines Kopfbahnhofes genauso leistungsfähig sein wie 4 Gleise eines Durchgangsbahnhofes. Daraufhin war die Anmerkung des Schlichters, Herrn Geissler (sinngemäss):

Wenn das so ist, braucht kein neuer Bahnhof gebaut werden!

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Planer irgendetwas verbergen.
Einige fürchten bereits, dass es aufgedeckt wird.
Andere versuchen, diese Dinge mit Rethorik zu überdecken.
Wieder andere bemühen sich, mit ihren Schilderungen darauf hinzuweisen.
Totale Einigkeit herrscht jedenfalls nicht im Lager der Befürworter.
Ich habe mir aufmerksam alle Gesichter angeschaut, und für mich sprechen die Gesichter Bände.


Die vierte Diskussionsrunde:


Stuttgart 21 - Die Schlichtung: Diskussion IV
Quelle: SWR VIDEO, 44:11 Minuten


Was habe ich aus der vierten Diskussionsrunde gelernt?

Offensichtlich gibt es verschiedene Planungsansätze:

Top Down Methode
:
Erst bauen, dann schaun, was man mit dem Bau machen kann.

Bottom Up Methode:
Erst ermitteln, was man benötigt, und dann die entsprechende Infrastruktur bauen.

In der Schweiz ist es üblich, erst zu ermitteln, was man benötigt, und dann wird die entsprechende Infrastruktur gebaut.

In Deutschland wird die von oben herab Methode angewandt:
Erst bauen, dann schaun, was man mit dem Bau machen kann.

Kein Wunder, dass es Brücken nach Nirgendwo gibt!

Es wird Zeit, dass die Planungen in Deutschland auf demokratische Verfahren umgestellt werden!

Dieser Teil der Diskussion zeigt ausserdem, dass man jetzt erst versucht, herauszufinden, wieviel Verkehr denn überhaupt über den geplanten Tiefbahnhof geleitet werden kann.

Alles ist nur provisorisch, und die Planung dieser Dinge hat erst kürzlich angefangen.


Die fünfte Diskussionsrunde:


Stuttgart 21 - Die Schlichtung: Diskussion V
Quelle: SWR VIDEO, 62:44 Minuten


Mitschriften und Bemerkungen zur fünften Diskussionsrunde:

Der Flughafen Stuttgart ging davon aus, dass der geplante Hauptbahnhof bereits 2008 fertig gewesen wäre, so eine Bemerkung des Flughafendirektors. 30 Millionen wurden bereits in entsprechende bautechnische Massnahmen investiert. Das Parkhaus für die Messe über der Autobahn und der Bahnhof in Richtung Schweiz sind bereits gebaut.

Vortrag von Frau Starke:
Wir haben Ihnen aus unserem Projekt heraus, weil es uns darum ging, auch hier Transparenz zu zeigen,einen Arbeitsstand zur Verfügung gestellt. In der Regel macht man das auch nicht so zwanglos, weil wir genau mit solchen Fragen jetzt konfrontiert werden, wir sind ganz eng im Gespräch und ich denke dann zur Leistungsfähigkeit der Infrastruktur wird DB-Netz auch noch ein Wort sagen, dass wir an der Stelle arbeiten.

Die Konflikte, die Sie entdeckt haben, sind Darstellungsproblem, weil die Sachen einfach schnell an Sie herausgegeben werden mussten... Es ist schade, dass man so zeitig etwas herausgegeben hat. Tut mir leid, das so sagen zu müssen, aber es ist tatsächlich in diesen Gleisbelegungs-Graphiken sind entsprechende Dinge, deswegen ist auch oben so ein roter Vermerk dran... Ich hab mich da selbstverständlich auch gewundert, und hab das noch mal versucht aufzuklären, das das jetzt ein Zwischenstand ist, der stehengelassen wurde.

Dass die Züge natürlich noch verteilt werden können, das sieht man aber auch sehr gut, dass man dort entsprechend Möglichkeiten noch zum Gestalten hat.

Wir sind, und das ist sehr wichtig, wir sind mit den Planungswerkzeugen hier hereingegangen, in der Gewissheit, dass sie sehr gut sind, die aber nicht die Schärfe haben, die die Planungswerkzeuge der DB-Netz AG haben.

Und deshalb ist es jetzt einfach auch notwendig, die Dinge miteinander tiefer anzugucken.
Hier sind einfach darstellerische Mängel, jetzt muss ich mal so vorsichtig sagen, drin.
Da bitte ich um Verständnis, weil das einfach in dem Fluss von uns nicht mehr aufzuhalten war. Das war dann raus, als wir es gemerkt haben.

Aber es ist eben ein Arbeitspapier gewesen.
Das war schlicht und ergreifend jetzt diese Erklärung.

Die Netzgrafik ist soweit in Ordnung, das kann ich Ihnen bestätigen, aber der Tiefbahnhof oder die Gleisbelegung des Tiefbahnhofes können wir gerne aber jetztmal schon von unserer Seite aus ... in die richtige Richtung schieben, damit wenigstens die offensichtlichen Konflikte, die keine sind, die ausgeregelt werden können, bei Ihnen liegen.

Wir können bestätigen, dass nach unseren Untersuchungen der Tiefbahnhof keine leistungsbestimmende Prämisse ist.

Anmerkung:

Wenn der Tiefbahnhof keine leistungsbestimmende Prämisse ist, dann ist er wohl auch nicht erforderlich. Ein heilloses Durcheinander!

Ich erlaube mir, bei den weiteren Mitschriften meine Anmerkungen in eckige Klammern [] zu setzen.

Bemerkung von Herrn Kefer:
Es ist schwierig, bei dieser Diskussion ruhig zu bleiben, weil man muss sich eine halbe Stunde melden, bevor man vor lauter Zurufen dann auch wirklich mal zum Reden kommt. [In dieser halben Stunde sprach die Expertin der Befürworterseite.]

Herr Kefer spricht nun ein Machtwort:
Ich finde diese Diskussion ... unfair.

Wir haben in Deutschland ein bestimmtes System und bestimmte Prozesse, die wir anwenden, wenn Grossprojekte geplant werden. Diese Prozesse bitte ich zu akzeptieren.

Weil nämlich Raumordnungs-, Planfeststellungs- und sonstige Verfahren gesetzlich vorgegeben sind und zu bestimmten Reaktionen in der Beplanung führen. Und das, was an Prozessen dort gemacht wird, ist etwas, was für die gesamten Infrastruktur-Grossprojekte der vergangenen Jahre durchlaufen worden ist.

Und was wir nicht machen können, ist, dass wir uns jetzt hinstellen und sagen, wir hätten aber gerne ein anderes System, zum Beispiel ein Schweizer System.

Wir haben eben nun mal ein Deutsches System, und mit diesem Deutschen System leben wir.

Und jetzt bedingt dieses Deutsche System, dass wir im Vorfeld Untersuchungen machen, Kapazitätsuntersuchungen, verkehrstechnische Untersuchungen, in einer relativ detaillierten Form, die dazu führen, dass bestimmte Gleispläne entstehen, die dazu führen, dass bestimmte Infrastrukturpläne entstehen. Das sind die Vorarbeiten, die beispielsweise ein Herr Weigang macht, aber auch eine ganze Menge andere Institutionen. Diese Vorarbeiten werden übrigens von einer ganzen Reihe nochmal weiterer Institutionen geprüft. Das Eisenbahn-Bundesamt beispielsweise prüft dieses alles sehr genau.

Und dann kommt man zu einem späteren Zeitpunkt zu der sehr konkreten Ausgestaltung eines Fahrplans. Und da ist ein Riesen-Zwischenraum. Das geht auch nicht anders, weil Sie nämlich sonst fünfundzwanzig Jahre im Voraus einen Detailfahrplan ansetzen müssten, und den infrastrukturell beplanen müssten.

[Selbstverständlich ist es möglich einen exemplarischen Muster-Detailfahrplan anzusetzen, um zu erkennen, ob angedachte Abläufe machbar sind, und um zu ermitteln, welche Durchsatz-Kapazität wirklich erreichbar ist!
Ausserdem lässt sich jederzeit ermitteln, ob der derzeitige im Kopfbahnhof bestehende Verkehrsfluss abgewickelt werden kann, und wie das bei einem Durchgangsbahnhof aussehen würde, um Vergleiche des Fahrgastverhaltens zu erstellen. Auch wenn inzwischen die Züge schneller fahren, die Fahrgäste werden ihre Bewegungsgeschwindigkeiten in fünfundzwanzig Jahren nicht geändert haben.]

Und dieses Verfahren, Herr Palmer, da bitt ich jetzt einfach mal um das Verständnis, das ist ein etabliertes Verfahren in Deutschland was so praktisch grundsätzlich durchlaufen wird weil es überall am Ende des Tages erfolgreich war, [auch in anderen Kopfbahnhof-Projekten gab es Proteste, so z.B. in Leipzig, und dort wurden die Proteste ernst genommen] und ich kanns dann nochmal wiederholen: diese Kapazitätsdiskussionen, die wir jetzt hier führen an einzelnen Stellen des Systems, sind normaler Ausfluss dieser Vorgehensweise, und ich wehre mich dagegen, wenn Sie immer wieder argumentieren, weil ich an irgendeiner Stelle in dem System einen Konflikt entdeckt habe, der nicht funktioniert, dann das komplette System in Frage zu stellen. Das lehne ich ab. Das kann man nicht tun, und jetzt würde ich gerne für die Frau Starke zum Schluss auch nochmal das Wort ergreifen:

Frau Starke hat gesagt, dass wir gegenwärtig in der Fahrplanung sind.

Wir haben in grosser Offenheit die heutigen Zwischenstände rübergereicht. Und wenn das dazu führt, dass dann offensichtliche Deltas, die noch existieren und die durch weitere Optimierung der Planung ausgeräumt werden müssen, dass diese Deltas dann der Grund dafür sind, ein Gesamtsystem auch wiederum in Frage zu stellen, dann werden wir hier der Aufgabe nicht gerecht
[was ist denn die Aufgabe?].

Also, wir beplanen, wie diese Infrastruktur optimal befahren werden kann [also doch! warum keine vergleichende Studie mit dem bestehenden Kopfbahnhof?].
Und diese Beplanung hat einen gewissen zeitlichen Ablauf und einen gewissen zeitlichen Fortschritt.

Da muss man sich auch drüber unterhalten, aber wir können nicht jedesmal, wenn wir feststellen, wir haben irgendwo eine Kollision, oder irgendwo einen Nachteil, dann sofort erklären 'das gesamte System ist am Ende'. Das ist nicht in Ordnung. Das wird der ganzen Sache nicht gerecht.

Vielen Dank.

Ende des Zitats.

Es hat die Planer kalt erwischt. Mit einer solchen Veranstaltung - dieser Schlichtungsrunde - hatten sie nicht gerechnet. Ansonsten hätten sie sich darauf vorbereitet und eine schlüssige Beweisführung gebracht. Oder lassen sie die Sache absichtlich so laufen, um sich durchzusetzen? Oder es ist "Business as usual" und das funktioniert hier nun mal nicht? Es wird sich zeigen.

Antwort von Herrn Palmer:
Herr Kefer, ich bin Ihnen sehr, sehr dankbar für dieses erklärende Statement.

In meiner Analyse ist das was Sie gesagt haben eine der wesentlichen Erklärungen warum die Leute auf die Strasse gehen.

Sie haben nicht mehr mit der Sache argumentiert, sondern ein Verfahren, das nun mal in Deutschland so sei, als unabänderlich beschrieben.

Das war Ihr Argument: das Verfahren ist so, so wird es bei uns gemacht in Deutschland,
wenn Sie es anders wollen, müssen Sie in die Schweiz auswandern.

In der Schweiz sind die Verfahren anders, da macht man eben nicht das Prinzip wie Sie es beschrieben haben. Ich würde es, um im Mobilitätsbereich zu bleiben, so beschreiben: Sie sagen 'Bei uns in Deutschland wird zuerst die Grösse des Kolbens dimensioniert, in einer anderen Werkstatt wird die Grösse des Getriebes dimensioniert, in der dritten Werkstatt wird dann noch die Grösse der Einspritzanlage dimensioniert.' Jede für sich richtig. Nachher kommt irgend jemand - das machen Sie gerade, versucht es zusammzusetzen, und guckt, ob das Auto auch fährt, und in welchem Drehzahlbereich.

Würden wir Autos so bauen, wären wir nicht Exportweltmeister.

Das Ganze muss von vorneherein im Blick sein, und unser Problem - deswegen kommt in Deutschland die Bahn nicht voran - ist genau was Sie beschrieben haben.

Man macht irgendwelche Kapazitäts-Analysen für irgendwelche kleinen Elemente, so einen Tunnelbahnhof, hat das ganze nicht im Blick, und wundert sich nachher, dass kaum noch Züge durchkommen, weil das nicht zusammenpasst.

Und was uns wirklich so aufregt und warum die Leute auf die Strasse gehen ist: Wenn man das im Verfahren vorbringt, und wenn man dann zehn Jahre lang sagt, mit dem gesunden Menschenverstand, in meinem Fall mit dem Mathematik-Studium obendrauf, kann das nicht funktionieren, was ihr da macht, das passt nicht zusammen.

Man rechnet nach, stellt fest, die Züge kommen nicht durch, dann sagen Sie, 'das ist ein Jahrhundertprojekt, und über so etwas reden wir nicht', und wenn man jetzt nachfragt, was fährt denn durch, dann sagen Sie, 'das ist ja alles schon gelaufen. Darauf kommt es nicht mehr an. Wir müssen halt mit dem zurecht kommen, was die Parlamente beschlossen haben.'

Das macht einen wirklich verrückt.
So kann das doch nicht sein!

Wenn der gesunde Menschenverstand, normal in Mathematik, im Verfahren keine Rolle spielt und am Ende gesagt wird, das ist aber jetzt durch das Verfahren legitimiert ob das funktioniert oder nicht, und ich möchte abschliessend, Herr Dr. Geissler, nochmal feststellen, meine zentralen Aussagen in Form von Fragen: "Trifft es zu, zur Leistungsfähigkeit der Infrastruktur, für die Baden Württemberg 2½ Milliarden Euro eigene freie Steuermittel aufbringen will, das in der Summe nach unserer Auffassung 10 Milliarden Euro kostet", sind auch nach zweieinhalb Stunden intensiver Diskussion nicht beantwortet.

Sie sagen, 'wir sind noch nicht soweit mit unseren Fahrplänen um es exakt beantworten zu können, vielleicht können wir ein paar Probleme noch lösen', das traue ich Ihnen noch zu, Sie haben die besten Leute engagiert, die es da gibt, aber selbst wenn Sie das alles machen, was Sie sich vorgenommen haben, steht am Ende: Sie kommen gerade noch mit dem durch, was jetzt schon geplant ist. Das ist kein Jahrhundertprojekt.

Bei allem Respekt.
Das ist das Gegenteil dessen, was den Parlamenten suggeriert wurde.
Den Parlamenten wurde suggeriert, diese Einzelbauteile, die Sie da bauen, und ich kann Ihnen die Parlaments-Protokolle rausziehen, wo Herr Mappus und ich gestritten haben wie die Kesselflicker, ob das Engpässe sind oder nicht. Diese Aussagen bestätigen sich jetzt, da schon gebaut wird.

Und es kann einfach nicht sein, dass man bereits Milliarden-Investitionen tätigt und am Ende dieses Prozesses feststellt, die Kritiker, die hatten schon recht, aber sie kommen damit zu spät, vor allem wenn die Kritik die ganze Zeit vorgetragen wurde, wenn fachlich fundiert vorgetragen wird, das kann so nicht ausgehen.

Deswegen bitte ich Sie nochmal, stellen Sie klar, ob diese "trifft es zu?"-Fragen beantwortet sind, und ob es stimmt. Wenn es stimmt,dass dieser Tiefbahnhof ausgereizt ist mit Ihrem Fahrplankonzept und dann nicht mehr viel zusätzlich durchzubringen ist, darf er nach allem, was die Parlamente diskutiert werden, nicht gebaut werden.

Ende des Zitats.

Es gab ein Angebot von einem Vertreter von SMA, Aussagen zu machen.
Dieses Angebot wurde nicht genutzt.

Schlussbemerkung von Herrn Kefer:
Also ich würde das auch begrüssen, dass wir das Thema das nächste mal nochmal aufrufen, und ich glaube, wir sollten es verknüpfen so wie es auch vorgesehen ist, nicht nur mit Ulm-Wendlingen, sondern auch mit dem Kopfbahnhof 21, denn das ist ja im Grunde das absolut verbundene Thema, ja, also, ich glaube, das macht eine Menge Sinn wenn man dort eine Sitzung macht wo man K21, Ulm-Wendlingen, und die Fahrplanfragen noch einmal gemeinsam behandelt.

Diese Antrag wurde abgelehnt. K21 soll nach wie vor ein eigenes Thema werden.

Anmerkung:
Offenbar gibt es taktische Gründe der S21-Seite, die K21-Präsentation vorzuziehen.

Es wird gefordert, dass die Papiere, über die gesprochen wird, auch im Internet zu bekommen sind.



Diese Schlichtung wird in der Presse sehr stark beobachtet und kommentiert.

SWR:Stuttgart-21-Schlichtung hat begonnen
Nun hat sie also begonnen: Die Schlichtung im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21.
Unter Leitung des Vermittlers Heiner Geißler sind Befürworter und Gegner am Freitag im Stuttgarter Rathaus zu einem ersten Schlagabtausch zusammengekommen. Bisher haben beide Seiten lediglich erneut ihre jeweiligen Positionen unterstrichen.


Eine kommentierte Zusammenfassung des ersten Tages ist ebenfalls im SWR zu sehen:
S21-Schlichtung: "Von Annäherung keine Rede"
Quelle: SWR

Zu sehen auf:
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=5662540


Weitere Sendungen:

Geißler: "Faktencheck zu Stuttgart 21"morgenmagazin, 22.10.2010
Er könne dafür sorgen, dass zur Sache diskutiert und Aufklärung über das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 betrieben werde, so Schlichter Heiner Geißler. Die Schlichtung sei für Deutschland einmalig.
VIDEO, 06:50 Minuten


So werden unsere Steuergelder verschwendet
Der Bund der Steuerzahler in Wiesbaden hat heute das berüchtigte Schwarzbuch veröffentlicht, in dem aufgeführt wird, wie unsere Steuergelder verschwendet werden. Allein in Hessen wurden im Jahr 2010 mindestens 350 Millionen Euro für Fehlplanungen bei Straßenbau und öffentlichen Gebäuden rausgeworfen.
Quelle: HR - VIDEO, 03:01 Minuten

"Sie spinnen, Herr Jauch!"

Liebe Freunde von der Süddeutschen Zeitung, bitte seid mir nicht boese, aber Euren Artikel aus Heft 42/2010 muss ich einfach hier weitergeben - als auszugsweise Zitate, damit der Leser dieses Blogs zur Süddeutschen greift - weil ich mein ganzes Leben danach gelebt habe: Arbeiten, weil es mir Freude bereitet. So soll es auch sein.

Und hier, was Meike Winnemuth im "Süddeutsche Zeitung Magazin" geschrieben hat:

»Würden Sie mir noch einen Gefallen tun?«, fragte Günther Jauch letzte Woche, als ich die 500 000 Euro gewonnen hatte. »Würden Sie Ihre Kündigung bei der Süddeutschen Zeitung hier und jetzt übers Fernsehen einreichen?« ... also sagte ich: »Sie spinnen wohl, Herr Jauch. Stattdessen kaufe ich den Laden« ...

Ich verstehe es wirklich nicht: Warum ist es gesellschaftlicher Konsens, dass man arbeitet, weil man muss, und nicht, weil man will? ... Das Konzept von Arbeit scheint zwei Jahrhunderte nach der industriellen Revolution immer noch eines von elender Knechterei zu sein, unter Stöhnen erlitten, um dafür drei Wochen bei 28 Grad auf dem Rücken liegen zu dürfen. Ich kapier’s nicht: Warum sollte man jeden Tag acht, eher zehn Stunden für etwas opfern, was man nur widerwillig tut? ...

Aber gehen, wenn man glücklich ist? Aufgeben, was man liebt?
Um sich am Rand eines Swimmingpools zu langweilen?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe auch schon gekündigt, immer dann nämlich, wenn keine Liebe für das da war, was ich tat. Und wenn ich jetzt sage: Ich würde auch dann noch arbeiten, wenn ich nicht müsste, dann meine ich nicht, dass Arbeit nicht gut bezahlt werden sollte. Im Gegenteil: Diejenigen sollten Geld verdienen, sogar wahnsinnig viel Geld, die für das, was sie tun, brennen: die Krankenschwester, die lieber einmal zu viel nach dem Rechten schaut, der Lehrer, der nachmittags einen Workshop nachschiebt. Denn wer liebt, was er tut, macht es auch gut. Leistungsprinzip? Nein, Leidenschaftsprinzip. Was für ein Geschenk, so einen Beruf zu haben...

Mein Kommentar:

Zum einen kenne ich Leute, die einen Swimmingpool haben, aber keine Zeit, ihn zu benutzen. Zum anderen ist die Grundeinstellung zu arbeiten, weil man arbeiten mag und dass arbeiten Erfüllung bringt, eine wichtige Voraussetzung für die Einführung des Bürgergeldes.

Viele Probleme unserer Zeit werden gelöst, wenn ein Bürgergeld eingeführt wird.

Menschen leben heutzutage länger, und derzeit wird über die Verlängerung des Arbeitslebens debattiert, ohne dass es Arbeitsplätze für ältere Menschen gibt.

Das bedeutet für die meisten Bürger der Bundesrepublik eine Verelendung im Alter.

Mit den Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz bekommen, sieht es genauso aus.

Dieses Problem und viele andere können mit der Einführung eines Bürgergeldes gelöst werden.

Wenn es ein Bürgergeld gibt, werden auch die Gehälter steigen, was vor allem wichtig ist für Berufe wie Krankenschwestern, Lehrer und andere derzeit unterbezahlte Berufe.


Zum Beispiel könnte dann die HartzIV-Diskussion ad Acta gelegt werden.

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, des Wandels. Es müssen neue Wege gefunden werden, damit wir Deutschen weiterhin in einem lebenswerten und liebenswerten Land leben und leben können - oder besser gesagt: wieder in einem lebenswerten und liebenswerten Land leben und leben können.

Und das Bürgergeld gehört dazu.

Das Bürgergeld ist auch bekannt unter dem Namen Bedingungsloses Grundeinkommen.

-.-

Meine Video-Empfehlung:

Bedingungsloses Grundeinkommen
als Antwort auf die Krise der Arbeitsgesellschaft.
Diskussion über Chancen, Risiken und Folgeprobleme.
Öffentliche Diskussionsveranstaltung
an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main am 14. Juli 2006
VIDEO, 1 Stunde und 34 Minuten

Freitag, 15. Oktober 2010

Abschied vom Obrigkeitsstaat

"Die Zeiten der Obrigkeit sind vorbei.
Die Politiker müssen lernen, sie sind Diener des Volkes, und nicht Herren
."
so hiess es am Donnerstag in einem Aspekte-Fernsehbeitrag
(siehe Empfehlungen am Ende des Blogs).

Deutschland braucht
eine Generalüberholung!


Wenn ich mir die Lage in Deutschland genau anschaue, dann entdecke ich, dass es zwei Schichten gibt: die da oben, wir da unten.
Eine Schicht, die bestimmt, was durchgesetzt wird, und eine Schicht, die nicht dazu gefragt wird. Oder sollte ich besser schreiben: es gibt zwei Klassen in Deutschland?

So wie bei der Bundesbahn. Erster Klasse und zweiter Klasse.
Immerhin ist das ein Fortschritt gegenüber dem Kaiserreich.
Damals gab es vier Klassen bei der Bahn.
Die Demokratie hat den Fortschritt gebracht.
Deshalb können wir jetzt alles viel klarer sehen, und die Menschen der ehemaligen DDR haben uns gezeigt, wie man eine ungeliebte Herrschaft los wird.

Wir leben offiziell in einer repräsentativen Demokratie,
das hat man uns in der Schule eingebleut.
In Wirklichkeit sind nur die offiziellen Strukturen demokratisch.

Derzeit zeigt sich, dass der Rest wohl kaum noch demokratisch ist.
Wenn Politiker erst einmal gewählt sind, fragen sie nicht mehr die Bürger zu den geplanten Projekten, sondern richten sich nach anderen Vorgaben - von Ausnahmen einmal abgesehen. Daher kann mir hier getrost von einer Politiker-Kaste sprechen.

Beispiel Stuttgart21:

61.193 gültige Unterschriften für einen Ausstieg der Stadt aus dem Projekt wurden am 14. November 2007 im Rathaus übergeben; notwendig waren 20.000.
Der Antrag auf Zulassung des Bürgerentscheids wurde am 20. Dezember 2007 vom Stuttgarter Gemeinderat mit der Begründung abgelehnt, dass er rechtlich unzulässig sei. Das Regierungspräsidium Stuttgart und das Verwaltungsgericht Stuttgart wiesen Widersprüche von Vertretern des Bürgerentscheids zurück.

• Am 17. Dezember 2009 wurde ein Antrag von Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt, der bis zur zweifelsfreien Klärung der Wirtschaftlichkeit einen Aufschub des Projekts forderte.

9.000 Einwendungen gab es und zahlreiche Unterschriftslisten wurden eingereicht.

• Ein Beschluss ist aufgrund einer anstehenden Klage noch nicht rechtskräftig.
Die Flughafenanbindung ist noch nicht in der Anhörung.

• Der Enkel des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz, Peter Dübbers, klagte gegen den Abriss der Seitenflügel des Bahnhofs, unterlag am 20. Mai 2010, und geht in Berufung.

• Am 11. August 2010 wird ein Gutachten für das Umweltbundesamt bekannt, das eine weitere Kostenexplosion auf bis zu elf Milliarden Euro für Stuttgart 21 und erhebliche Verkehrsprobleme vorhersagt.

Lauter Ereignisse, die im Grunde genommen danach verlangten, den Rückhalt in der Bevölkerung für das Projekt Stuttgart21 zu ermitteln oder zu hinterfragen.

Diese Ereignisse wurden offensichtlich nicht als Chance wahrgenommen.
Warum?
Weil nicht die Bevölkerung das Sagen hat, sondern die Regierenden.

Was nützt eine repräsentative Demokratie, wenn sie uns nicht repräsentiert?

Diese Ereignisse zeigen, dass eine starke unsichtbare Hand dieses Projekt forciert.
Das hat nichts mehr mit Demokratie zu tun. Demokratie ist da nur noch ein Deckmantel.

Es gibt etliche solche Begebenheiten in der Republik, Stuttgart ist kein Einzelfall, aber Stuttgart ist ein Extremfall, und hat daher auch extreme Auswirkungen.

Wenn nach den Schlichtungsgesprächen der Protest sang- und klanglos eingestellt wird, dann haben die Herrschenden aus diesem Protest nichts gelernt.

Es muss etwas geschehen. So geht es nicht weiter.

Eine Politik über die Köpfe der Bürger hinweg ist ein Relikt des Kaiserreiches, einer lebendigen Demokratie wirklich nicht würdig.

Übrigens, in Wien wird auch ein Kopfbahnhof umgewandelt, es entsteht ein neuer Bahnhof. Dort spricht man mit den Anwohnern!

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Meine heutige Empfehlung:

aspekte, 15.10.2010
Rache des Tigers – ein dokumentarischer Thriller; Bürger auf den Barrikaden - Stuttgart 21 und die Folgen; Annette Humpe im Porträt; In Burma - Michael Mittermeier kämpft für einen Kollegen
VIDEO, 24:40 Minuten

nach 1:44 Minuten: Stuttgart21

ZDF.reporter, 14.10.2010
Warum die Gewalt gegen Polizisten steigt. Wie Bürgerproteste Wirtschaftsprojekte stoppen. Geblitzt und abkassiert – Kommunen stopfen Haushaltslöcher. Warum qualifizierte Ausländer keinen Job bekommen.
VIDEO, 33:42 Minuten

nach 9:33 Minuten: "Blockaderepublik Deutschland"
Weiteres unter: www.reporter.zdf.de

Der Knackpunkt ist das Grundwassermanagement
Am Vormittag haben sich Befürworter und Gegner von Stuttgart 21 mit dem Schlichter Heiner Geißler erstmals an einen Tisch gesetzt: Im Rathaus von Stuttgart geht es zunächst vor allem um die Frage, ob die Arbeit am sogenannten Grundwassermanagement während der Verhandlungen weitergehen oder nicht.
Quelle: SWR
VIDEO, 01:03 Minuten


Einige Tage später:

Protest-Herbst in Deutschlandmorgenmagazin, 19.10.2010
Stuttgart 21, Anti-Atomkraft-Demos: Bürger und Politik scheinen sich immer weiter voneinander zu entfernen. Es ist ein Protest-Herbst. Drohen Deutschland die Verhältnisse der Achtziger Jahre?
VIDEO, 02:44 Minuten



Netzschau: Protest im Internetmorgenmagazin, 19.10.2010
Online-Petitionen unterschreiben, virtuelle Demonstrationen in sozialen Netzwerken wie Facebook organisieren: Wie Protest im Zeitalter des Internets aussehen kann, zeigt Sonja Schünemann von heute.de.
VIDEO, 04:08 Minuten


Im Video erwaehnte Webseiten:
https://secure.avaaz.org/de/ausstieg_jetzt/?fp
http://www.campact.de/

Und eine Woche später:

Öffentliche Schlichtung zu Stuttgart 21 - morgenmagazin, 22.10.2010
In Stuttgart beginnt Heiner Geißlers Schlichtung in dem Streit um das Großprojekt Stuttgart 21, die live übertragen wird. Es ist eine demokratische Premiere der Schlichtung im öffentlichen Raum.
VIDEO, 02:34 Minuten


Lessmeister: "S21-Demos gehen weiter" - morgenmagazin, 22.10.2010
Zwar seien die Befürworter von Stuttgart 21 stärker geworden, doch bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg würden die Baumaßnahmen ausgesetzt werden, sagt ZDF-Reporter Dominik Lessmeister.
VIDEO, 03:29 Minuten


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Anhang zur Information:

Warum öffentliche Bauten oft teurer werden als geplant
Es läuft immer nach Schema F: Der Staat plant ein Bauprojekt, schätzt die Kosten des Vorhabens ein, setzt eine feste Summe Geld in den Haushaltsplan und die Abgeordneten winken es bis auf wenige Ausnahmen im Parlament durch. Oft genug kostet das Projekt den Steuerzahler aber am Ende ein Vielfaches mehr als zunächst geplant. Zumindest ist kein Projekt bekannt, das weniger gekostet hätte als die vom Parlament abgesegnete Summe. Der Flugplatz in Kassel-Calden etwa ist für viele ein Symbol horrender „Steuergeldverschwendung“. Nach jüngsten Schätzungen wird der Neubau des Flughafens weit über 225 Millionen Euro verschlingen und vermutlich noch viel mehr. Ein Vielfaches der ursprünglich kalkulierten Summe. Vor zehn Jahren hatte die Regierung dem Parlament noch vorgerechnet, das der Flughafen maximal 70 Millionen Mark kosten würde. Solche Beispiele gibt es viele im Land zeigt uns der hessische Bund der Steuerzahler. Wir fragen, warum solche Projekte fast immer teurer werden als ursprünglich kalkuliert? Werden die Kosten extra niedriger kalkuliert, damit die Abgeordneten das Projekt durchwinken? defacto ist den Fragen nachgegangen.
Quelle: HR
VIDEO, 05:41 Minuten


Diese Sendung zeigt eindeutig, dass mit einer Vervielfachung der ursprünglich angesetzten Kosten für Stuttgart21 zu rechnen ist. Noch ist es Zeit, den Teufelskreis aufzubrechen!

Montag, 11. Oktober 2010

"Verträge abarbeiten"

Die Bahn sei Verträge eingegangen, die sie "abarbeiten" müsse, sagte der Bahnchef,
so heisst es heute in den Nachrichten.

Das wichtigste, was ein Manager lernt, ist verhandeln.

Wenn Firmen trotz veränderter Begleitumstände einfach nur ihre Aufträge abarbeiten, ohne auf eingetretene Veränderungen Rücksicht zu nehmen, dann ist das der schnellste Weg zur Pleite.

Jeder professionelle Manager wird das bestätigen.

Sicherlich ist es bei der Bahn schwieriger, Dinge umzudisponieren, aber für einen gewieften Manager wie Herrn Grube dürfte es kein Problem sein, erfolgreich Verhandlungen mit den bereits beauftragten Baufirmen zu führen, um einen Baustopp zulassen zu können.

Wenn er dazu nicht in der Lage ist, stellt sich die Frage, ob er seiner Aufgabe als Chef der Bahn in einer Demokratie überhaupt gewachsen ist.

Der Stuttgarter Hauptbahnhof gilt unter Fachleuten als schnellster Kopfbahnhof in Deutschland. Im Stuttgarter Hauptbahnhof laufen viele Linien zusammen, deshalb ist der Kopfbahnhof so attraktiv.

Warum wurde ausgerechnet mit dem Stuttgarter Hauptbahnhof angefangen,
warum nicht mit Hamburg-Altona?

Der Kopfbahnhof Hamburg-Altona bereitet dem Eisenbahnbetrieb einige Probleme:

Die Autoverladung für Reisezüge wird direkt über den Kopfbahnsteig abgewickelt, der gleichzeitig von Fahrgästen anderer Züge genutzt wird. Etwa die Hälfte der Regionalzüge aus Schleswig-Holstein enden wegen des Engpasses Verbindungsbahn zwischen Altona und dem Hamburger Hauptbahnhof in Altona, und Reisende müssen teils mit der S-Bahn Richtung Hauptbahnhof weiterfahren. Durch Verlagerung des Güterzugverkehrs auf eine seit 2005 im Ausbau befindliche Umgehungsstrecke könnten auch die Regionalzüge bis Hauptbahnhof durchfahren.

Die finanziellen Mittel wären dort mit Sicherheit besser angelegt.

Dann gibt es noch die Kopfbahnhöfe in München, Frankfurt, und Leipzig.
Was ist denn mit denen?

Interessanterweise wurde der Kopfbahnhof Leipzig vor weniger als zwanzig Jahren umfassend saniert. Auch dort gab es wochenlange Proteste der Bevölkerung und von Denkmalschützern. Die Fertigstellung beruhte daher auf einem Kompromiss.

Insgesamt flossen in die Modernisierung und den Umbau des Bahnhofes etwa 250 Millionen Euro. Der modernisierte Bahnhof wurde am 12. November 1997 eröffnet - und ist weiterhin Kopfbahnhof.

Was steckt dahinter, dass ausgerechnet der legendäre Stuttgarter Kopfbahnhof der Spitzhacke zum Opfer fallen soll? Hinter dieser Abbruchaktion stecken Interessen, die sich nicht mit dem Lebensgefühl der Stuttgarter Bürger verbinden lassen.

Erinnern Sie sich noch an die letzten Tage der DDR?

Sonntag, 10. Oktober 2010

10.000 Einwendungen

Was ist eigentlich mit den zehntausend Einwendungen gegen Stuttgart21 geschehen, die Ministerpräsident Mappus erwähnt hat, und die, wie er sagte, ordnungsgemäss abgearbeitet worden seien?

Es gibt nicht mehr viel dazu zu sagen, ausser dass Heiner Geissler, ehemaliger Generalsekretär der CDU, seit 1997 regelmäßig in Tarifkonflikten vermittelnd, genau das Richtige gefordert hat:

Bevor Gespräche stattfinden, muss es einen Baustop geben, und zum Baustop gehört auch ein Stop von Bauvergaben.

Es muss offiziell erkennbar sein, dass es einen Weg zurück gibt, dass es eine Möglichkeit gibt, dass Stuttgart21 beendet wird. Das ist die Grundvoraussetzung für Gespräche.

Jeder Psychologe wird dem zustimmen, nur Politiker an der Macht sehen dies wohl offensichtlich anders.

Diese Politiker verlieren aber ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie die demonstrierenden Bürger nicht ernst nehmen und stattdessen mit - mit Verlaub gesagt, brutaler - Polizeigewalt gegen demonstrierende Bürger vorgehen.

Ist das die Art, unsere Demokratie zu verteidigen? Gewiss nicht.
Die demonstrierenden Gegner von Stuttgart21 verteidigen unsere Demokratie.
Wir Deutschen konnten stolz sein auf die Demokratie, die nach dem Ende des Hitler-Reiches auf deutschem Boden eingerichtet wurde. Derzeit ist dieser Stolz schwer in Frage gestellt.

In einer Demokratie heisst es, wie auch unter anderen Regierungsformen:

Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.

Und es ist Unrecht, wenn Bürger mit ihren Sorgen nicht ernst genommen werden.

Ich selbst habe das in meiner langjährigen Heimatstadt erlebt, da ging es nur um eine einfache Strassen-Umbenennung. Da hatte die Stadtverwaltung einfach beschlossen, der Strasse in der ich lebte, einen anderen Namen zu geben, mit der Begründung, das sei eine geteilte Strasse, und der Teil, an dem die meisten Menschen wohnten, sollte einen neuen Namen bekommen. Ich hatte das garnicht bemerkt, dass da neue Strassenschilder hängen, Kinder kamen an die Haustür, um Unterschriften zu sammeln, dass die Strasse wieder ihren alten Namen bekäme. Natürlich habe ich gleich unterschrieben, jeder hätte das getan.

Aber als sich nach einer Weile nichts getan hatte, habe ich mich beim Bauamt der Stadt erkundigt. Dort hiess es dann: "Ja, da waren ein paar Kinder mit einem Bündel Unterschriften beim Bürgerbüro, und der Angestellte rief mich an, was er damit machen solle. Ich habe dem Angestellten gesagt, er solle sich bei den Kindern bedanken und sie verabschieden, und dann die Unterschriften in den Papierkorb werfen."

Das war die Auskunft des zuständigen Sachbearbeiters. Und bei Stuttgart21 muss es wohl so ähnlich zugegangen sein, als es noch hiess, es gäbe einen Bürgerentscheid für Stuttgart21. Genauso wie damals die Kinder verschaukelt wurden, wurden diesmal die Erwachsenen verschaukelt.

Damals habe ich es mit Hilfe einiger Nachbarn, Flugblättern, und einer Bürgerversammlung erreicht, dass der Oberbürgermeister ein Einsehen bekam, und die bereits gefassten Beschlüsse rückgängig gemacht wurden. Am hartnäckigsten hatte sich die Telekom geweigert, in den neuen Telefonbüchern den alten Strassennamen anzugeben. So hatten wir unseren alten Strassennamen, aber in den Telefonbüchern stand der nicht existierende Strassenname.
Im Internet ist er heute noch zu finden.

Bei Stuttgart21 handelt es sich um mehr. Viel wertvolle Bausubstanz, die eigentlich unter Denkmalschutz stehen sollte, ist bereits zerstört worden. Aber auch nachdem soviel zerstört wurde, kann dem Einhalt geboten werden, und ein Neuanfang gewagt werden. Was wäre aus Deutschland geworden, wenn Hitler nach der ersten Bombardierung deutscher Städte den Krieg eingestellt hätte? Das unermessliche Leid von Dresden wäre jedenfals nicht geschehen.

Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Wenn der Baden-Württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus sagt, dass das, was beschlossen ist, auch durchgeführt werden muss, dann ist das konträr zu dem, was die Kanzlerin sagt. Die kümmert sich nämlich nicht um die vom Volk mitgetragenen Beschlüsse vorangegangener Regierungen.

Kein Wunder, dass dieser Widerspruch für die Stuttgarter nicht zum Aushalten ist.

Vielleicht sollte Herr Mappus der Kanzlerin sagen, dass sie sich an die Beschlüsse halten solle, dass die Atomkraftwerke abgeschaltet werden, um den erneuerbaren Energien endlich freie Bahn zu schaffen. Dann sähe die Welt sicherlich anders aus.

Vielleicht hat Ministerpräsident Mappus Napoleon Hill gelesen: "Denke nach und werde reich", denn dort heisst es, dass erfolgreiche Leute Ihre Entschlüsse nur langsam ändern.

So ist also ein Teilerfolg bereits erzielt. "Wenn Veränderungen an der Architektur gewünscht seien, müsse man sich dem stellen", so heisst es jetzt.

Ein willkommener erster Schritt zur Rettung unserer Demokratie.

Ach im Übrigen, was nützen eine halbe Stunde weniger Fahrzeit, wenn der Zug eine halbe Stunde Verspätung hat? Oder ist die Fahrzeitverringerung geplant, um Verspätungen zu kaschieren?

Sollte an Stuttgart21 weitergebaut werden, werden wohl für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre Verspätungen zur Regel werden.

-.-

Meine heutige Empfehlung - die Fernsehsendung zum Thema:

Bei Abriss Aufstand - ZDF.reportage, 10.10.2010
Die ZDF.reportage über den Protest gegen den Bahnhof Stuttgart 21.
VIDEO, 28:43


Eine umfangreiche Video-Sammlung zu Stutgart 21 ist unter http://deutscheheimat.blogspot.com/2010/08/fur-wen-arbeitet-die-regierung.html zu finden.