Donnerstag, 20. August 2015

Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen ...

so sang Zarah Leander in ihrem Film "Die große Liebe" vor 73 Jahren in den Kinos.

Gestern schien es so, als sei ein Wunder geschehen, aber es war nur der Auftakt zum nächsten Akt der griechischen Tragödie.

Foto: Oberösterreichische Nachrichten

Eigentlich dürfte niemand enttäuscht sein, denn Alexis Tsipras hat sich ans Skript gehalten: Er ist heute zurückgetreten.

Seine Motive sind ehrenhaft, denn schliesslich war sein Rücktritt bereits
seit langem angekündigt.

Was wird er aber jetzt machen?

Man muss wohl wieder mit einer Überraschung rechnen.

Was will er seinen Wählern versprechen?

Eines hat Alexis Tsipras erreicht: er hat gezeigt, dass er verlässlich ist.
Bis zuletzt hat er sich für die Absetzung der mörderischen Sparpolitik eingesetzt,
bis unmissverständlich zu erkennen war, dass die Eurogruppe lieber Europa auseinanderbrechen lassen würde als die schweren Sanktionen gegen Griechenland aufzuheben und durch eine vernünftige Politik zu ersetzen.

Was will er seinen Wählern nun versprechen?

Diesesmal kann er ihnen wohl kaum versprechen, dass er die Austeritätspolitk beenden will, denn damit würde er sich jetzt unglaubwürdig machen.

Zwei Dinge kann er tun:
Er kann seinen Wählern sagen, dass sie auf ihn vertrauen sollen und sie auffordern, ihm mit der Wahl einen Blankoscheck auszustellen - oder er kann seinen Wählern Blut und Tränen versprechen, wenn er sie durch das Tal des Grauens führt.

Einen Austritt aus der EU kann er nicht versprechen, denn dagegen hat er sich stets ausgesprochen, und dagegen sind auch die anderen Griechen. Ein Austritt aus der Eurozone ist zum Glück inzwischen abgesagt worden. Das einzige Hilfsmittel, das die finanzielle Misere noch lindern könnte, wäre eine Zweitwährung, aber die taugt nicht als Wahlkampfparole, und die Einführung von Regionalwährungen wäre eine Sache der Bürger selbst.

Vielleicht wird wirklich ein Wunder geschehen.

Vielleicht hat Alexis Tsipras inzwischen einen überzeugenden Plan B ausgearbeitet,
mit dem er Griechenland aus der Misere führen will, um mit diesem Plan seine Wähler für die Zeit nach der Wahl einzustimmen: Ärmel hochkrempeln und anpacken.

Privilegien von Abgeordneten sollen wegfallen. Die Immunität der Minister, die die Gerichte daran hindert, gegen Mitglieder der Regierung vorzugehen, soll wegfallen.
Eine Finanztransaktionssteuer und eine Sondersteuer auf Luxusgüter sollen eingeführt werden. Spekulative Finanzderivate sollen verboten werden.
So steht es bereits im Programm der SYRIZA.

Ewig kann doch nicht verloren sein, was ich besaß.
Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn ...


Nun ist zu hoffen, dass es wieder aufwärts geht mit Griechenland.


Ach ja, die erste Auszahlung der Gelder für Griechenland soll ja bereits erfolgt sein:
23 Milliarden Euro umfasst die erste Zahlung des neuen Hilfspakets.
12 Milliarden gehen gleich zurück an die Absender,
10 Milliarden sind für die Rettung der griechischen Banken vorgesehen,
eine einzige Milliarde geht an den griechischen Staat, zur Begleichung offener Rechnungen. Sieht aus wie ein Nullsummenspiel.

Nun sollen fleissig Pläne erstellt werden, was mit dem übrigen Geld gemacht werden soll.

Es ist zu hoffen, dass diejenigen, die nun das Sagen haben, die richtigen Massnahmen treffen, dass die Menschen in Griechenland mit anpacken, ihr Land wieder aufzurichten, und dass die Eurogruppe in der Lage ist, Fehleinschätzungen und falsche Vorgaben zu korrigieren.

-.-

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