Montag, 2. August 2010

Wie sich die Bilder gleichen ...

Als ich noch zur Schule ging, da sagte der Lehrer, wenn man mit einem zu lösenden Problem vor der Tafel stand und nicht mehr weiterwusste:
"Tritt einen Schritt zurück, dann hast Du einen besseren Überblick!"

Seitdem hat sich viel verändert. Statt Wandtafel gibt es nun Computer und Laptops, und zurücktreten will heute niemand mehr.

Wie sich die Bilder gleichen:

Die Katastrophe von Duisburg am 24. Juli: 21 Tote.
Niemand war auf eine solche Katastrophe vorbereitet.
Niemand will von Warnungen gewusst haben.
Niemand will zurücktreten.

Die Katastrophe im Golf von Mexiko am 20. April: 11 Tote.
Niemand war auf eine solche Katastrophe vorbereitet.
Niemand will von Warnungen gewusst haben.
Niemand will zurücktreten.

Es gibt noch mehr solcher Bilder.

Es ist an der Zeit,
von der Tafel zurückzutreten,
besser noch, es ist an der Zeit, aufzuwachen.
Es gibt keinen Lehrer mehr, der uns aufweckt, wenn wir eingenickt sind.
Wir sind erwachsen, so heisst es jedenfalls, jetzt sind wir selbst verantwortlich.

Noch können wir jede Verantwortung von uns weisen, und zu den Geschehnissen,
die uns bald fast täglich erschüttern, schweigen.

Denn wir haben unsere Stimme abgegeben.
Bei der Wahl.

Deshalb lassen wir unsere Politiker, die schon lange auch nicht mehr wissen,
wo es lang geht, mit ihren Problemen alleine.
Die Politiker kennen derzeit nur eines:
"Business as usual", zu Deutsch: "Nur nichts ändern".

Manchmal ist es eine gute Sache, etwas auszusitzen. So z.B. bei der heimlich geplanten Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke. Die Energieriesen warten sehnsüchtig darauf, denn eine Verlängerung verspricht riesige Zusatzgewinne, und um eine Verlängerung zu rechtfertigen, wird davon gesprochen, dass es sich um eine Brückentechnologie handelt, die solange weiterlaufen soll, bis die regenerative Energieerzeugung voll zur Wirkung gekommen ist.

Die Sache hat aber einen Haken, denn da gibt es (nicht nur) ein Problem:

Abgesehen davon, dass der Bau und Ausbau der Regenerativen Energie wesentlich schneller vorangeschritten ist, als jemals jemand vorausgesehen hat, taugt die Kernenergie nicht als Brückentechnologie. Atomkraftwerke sind für stetigen Dauerbetrieb ausgelegt.
Deshalb müssen jetzt schon immer wieder Windenergie-Anlagen abgeschaltet werden, wenn mehr Energie erzeugt wird als gerade gebraucht wird. Das ist ein klares Zeichen, dass Atomkraftwerke jetzt schon dem Ausbau regenerativer Energie im Wege stehen.
Da hilft nur eines: Abschalten!

Zum Ausfüllen der Energielücken bei fehlendem Wind oder fehlender Sonne helfen nur Gaskraftwerke - oder Kohlekraftwerke, die zwar niemand haben will, die aber eine Renaissance erleben könnten, wenn sie von schädlichen Umwelteffekten befreit werden würden.

Die schädlichen Umwelteffekte der Atomkraftwerke können nicht entfernt werden, denn die sind systemimmanent: der strahlende Abfall, der sich nur dazu eignet, Atombomben zu bauen.
Das will aber - so hoffe ich doch sehr - niemand. Deshalb hat man sich aus politischen Gründen darauf versteift, diesen Atommüll in stillgelegten Salz-Bergwerken unterzubringen.
Jedes Kind weiss, dass Salz in Wasser löslich ist, und nun wundern sich einige nach einigen Jahrzehnten der sogenannten Endlagerung, dass diese Salzbergwerke sich verändert haben, also jedenfalls nicht für Zehntausend Jahre Lagerung geeignet sind.
Wie gesagt, das nur am Rande.

Was wollte ich eigentlich sagen?

Wir haben unsere Stimme bei der Wahl abgegeben, und wir erwarten von unseren Politikern, dass sie nun, bei all den Problemen, die derzeit auftauchen - z.B. Stichwort Hartz IV, Fachkräftemangel, Kürzung von Sozialleistungen, Krieg in Afghanistan, usw. - einen Schritt von der Tafel zurücktreten, damit sie einen besseren Überblick bekommen. Denn wenn man all diese Probleme, die derzeit anstehen, in einer Gesamtschau, sozusagen Ressort-übergreifend, oder besser noch aus der Sicht eines Generalisten statt aus den Facetten der Experten betrachtet, wird sich herausstellen, dass all diese Probleme miteinander verbunden sind, miteinander in Beziehung stehen, und einer gemeinsamen Lösung bedürfen.

Und eine solche übergreifende Sichtweise wird immer dringlicher.
Dringlicher von Tag zu Tag. Wir haben keine Zeit zu verlieren , denn die Zeit rennt uns davon. Täglich steigt das Elend, zur Zeit noch schleichend, aber wie sehr viele Menschen schon wissen, befinden wir uns seit einiger Zeit auf einer exponentiellen Entwicklungskurve. Heutzutage ist es schon so weit, dass unsere Kühe zuviel Methangas produzieren und damit zur globalen Erwärmung beitragen, da dieses Gas in der obersten Schicht der Athmosphäre die Klimaregelung der Erde verändert (Wissenschaftler sind dabei, Kühe zu entwickeln, die weniger Methan produzieren - wieviel besser wäre es doch wohl, wenn dieses Gas in Biogas-Anlagen zur Energie-Erzeugung verwendet würde).

Es stehen genug Probleme an. Es ist an der Zeit, dass ein Rat gebildet wird - die Amerikaner würden das "Think Tank" nennen - der die Aufgabe hat, Gedanken für die neue Welt, in der wir wohl leben werden müssen, zu ermitteln. Dieser Rat sollte nicht aus Experten gebildet werden, denn die Experten haben uns in diese Situation, in der wir jetzt sind, hineinmanövriert, sondern aus normalen Bürgern, die in der Lage sind, über den Tellerrand hinauszublicken, Menschen, die auch in anderen Dimensionen denken können.

Es gibt inzwischen genügend Erfahrungen, wie man eine solche Aufgabe organisieren kann, damit sie zum Erfolg führt. Ich selber erinnere mich gerne an die Zeit, in der wir uns für eine Reformation der Ingenieurschulausbildung eingesetzt haben. Das war Demokratie pur. Um herauszufinden, wie die neue Ausbildung aussehen solle, haben wir uns zu Tagungen getroffen, in denen Arbeitsgruppen zu den anstehenden Themen gebildet wurden. Die Ergebnisse wurden regelmässig im Plenum zusammengetragen und von den einzelnen Teilnehmern dann vor Ort mit grossem Erfolg in den Ingenieurschulen eingebracht. Im Zuge dieser Reform wurden die Ingenieurschulen zu Fachhochschulen umgewandelt und in den Hochschulbereich integriert. Das hat dem Standort Deutschland sehr gut getan. Das war ein Meilenstein zum Erhalt des Ansehens deutscher Produkte "Made in Germany"!

Nun ist es wieder an der Zeit, dass eine Wandlung geschieht. Eine Wandlung muss jedoch vorbereitet sein. Wenn wir es nicht sind, die diese Vorbereitungen treffen, dann wird unsere Umwelt dies für uns tun. Da wird dann sein Heulen und Zähneklappern, so jedenfalls steht es in der Bibel, und die Bibel hat doch recht.

Das ist nun die letzte Chance der Politiker: sich um die Zukunft kümmern, die Gesellschaft vorbereiten, in der wir leben werden - aber nicht alleine, sondern unter Einbeziehung vieler Bürger statt weniger Experten. Den Menschen, die nur ein geringes Einkommen haben, dieses Einkommen auch noch zu kürzen, das ist nicht der richtige Weg. Deutschland ist immer noch ein reiches Land. Noch besteht die Möglichkeit, diesen Reichtum zum Wohle aller Deutschen einzusetzen.
Eigentum verpflichtet.

-.-

Meine heutige Empfehlung:

WISO-Sendung vom 2. August 2010 - WISO, 02.08.2010
Unter anderem mit diesen Themen: Arbeitsmarkt: Welche Jobs neu entstehen - Dispo-Falle: Überhöhte Zinsen vermeiden - Tricks der Billigflieger - Kostenlose Navigations-Software - Urlaub ohne Kinder
VIDEO, 45:38 Minuten


Was nicht dort steht, aber darüber wird in der Sendung berichtet:
Ein Bericht über die Verwendungsfähigkeit der AKWs als Brückentechnologie.
Facit: Kernkraftwerke sind nicht verwendungsfähig als sogenannte Brückentechnologie, im Gegenteil, sie hindern nur. Deshalb: Abschalten!
4:50-8:53

ZDF heute in europa, 02.08.2010
Mit den Themen: Kampf gegen die Feuersbrunst in Russland; Regierungsbildung in den Niederlanden; Istanbuls Altstadt als Weltkulturerbe ist gefährdet; Urlaub anders: Voluntourismus.
VIDEO, 14:21 Minuten


Bericht über brennende Torf-Moore in Russland: 2:16-4:09

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