Wer kennt ihn nicht, den Spruch:
"Immer Ärger um das liebe Geld!"
Abgesehen davon, dass dieser Spruch ein Paradoxon ist:
Ist das Geld wirklich lieb?
Dieser Frage bin ich aus gegebenem Anlass nachgegangen. Gehen Sie gemeinsam mit mir weiter, es wird Ihnen im Nachgang die Augen öffnen.
Googeln wir doch einfach mal nach "Immer Ärger um das liebe Geld".
Viele Antworten gibt es da nicht, aber aussagekräftige.
Nehmen wir gleich die erste:
Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik
Umgang mit Geld - aus psychologischer Sicht
Immer Ärger um das liebe Geld
"Wenn's um Geld geht, hört die Freundschaft auf", sagt der Volksmund. Umfragen belegen, dass an Geldfragen nicht nur Freundschaften, sondern allzu oft auch die Liebe zerbricht. Nach Eifersucht ist Geld das Thema, um das am meisten gestritten wird.
Geld ist nämlich viel mehr als die Scheine und Münzen, die die Ladentheke beim Einkauf wechseln, die Kreditkarte oder die Summe auf dem Konto. Geld dient als
• Garant für Sicherheit,
• Ersatz oder Mittel für Liebe, Anerkennung und Glück,
• Maßstab für Erfolg, Leistung und sozialen Status sowie als
• Inbegriff für Freiheit und Unabhängigkeit.
Wenn Geld ein so guter Garant ist, warum gibt es dann Streit?
Ich habe immer gehört, dass Geld arbeitet. Wie steht es denn damit?
Wenn ich nach "Geld arbeitet" googele, zeigen mir die Ergebnisse an meinem Computer erschreckendes. Als erstes ist von der Gier der Finanzmanager die Rede, und dann heisst es sogar "Geld arbeitet nicht", und die nächste Antwort beginnt mit "Wenn Geld arbeitet..." - Sir Richard Branson, ein britischer Unternehmer und Ballonfahrer, hat diesen Gastkommentar geschrieben.
"Geld regiert die Welt!" Auch so ein Spruch.
Dazu nennt mir Google 333.000 Websiten!
Was aber macht denn Geld wirklich?
Offensichtlich hat jemand, der Geld hat, Macht.
Zumindest die Macht, etwas dafür zu kaufen.
Ich weiss, Liebe kann man nicht kaufen,
aber es gibt genügend andere Dinge,
nicht nur Dinge des täglichen Bedarfs.
Und wenn wir schon beim Kaufen sind, dann wollen wir natürlich zum günstigsten Preis einkaufen, denn Geiz ist geil, und dafür fahren wir schon mal etliche Kilometer, um ein Schnäppchen zu machen.
Viele Leute sprechen davon, dass es besser für uns sei, beim Laden um die Ecke einzukaufen, statt in die Stadt (oder an den Stadtrand) zu fahren, um dort billig einzukaufen, denn nicht nur verbrennen wir wertvolles Öl - aus dem sich viele gute Dinge herstellen lassen - bei unserer Fahrt, sondern wir sorgen gleichzeitig dafür, dass der Laden um die Ecke zumachen muss.
Sie haben keinen Laden um die Ecke?
Bitteschön, dann hat er ja schon zugemacht.
Geld beruhigt, heisst es. Geld kann ein Segen sein. Was wir aber derzeit beobachten können, ist kein Segen und ist aüsserst beunruhigend.
Alleine der Umstand, dass unsere alten Sprüche inzwischen auf den Kopf gestellt worden sind, ist beunruhigend. Aber da ist noch mehr.
Vor kurzem gab es mal wieder eine Krise. Eine Bankenkrise. Weil einige schlaue Köpfe herausgefunden haben, wie man wertlose Zertifikate in wertvolle Gratifikationen umwandeln kann - nämlich indem man sie als wertvolle Renditebringer anbietet und an Leute verkauft, die ihr Vermögen vergrössern wollen. Das Verkaufen hat funktioniert. Das Vergrössern des Vermögens hat diesesmal nicht funktioniert. Oder vielleicht doch?
Denn unsere Regierung hat den Banken das Geld gegeben, das sie auf diese Weise verloren haben. Hat sie wirklich?
Nicht wirklich. In Wirklichkeit hat sich die Regierung bei den Banken das Geld geliehen, das sie den Banken gegeben hat, denn die Regierung hat kein Geld. Die Regierung hat Schulden (und damit wir - derzeit 20.725€ für jeden von uns). Die Banken haben dieses Geld auch nicht. Aber die Banken dürfen Geld herausgeben.
In dem Moment, wo eine Bank ein Geld herausgibt, existiert es, auch wenn es vorher nicht existiert hat. Fiat Geld heisst das. Fiat ist lateinisch und bedeutet "Es werde". Das ist auch der Trick, mit dem Banken 25% Eigenkapitalrendite erzielen können. Denn sie benötigen nur 8% Eigenkapital. Das ist das eigentliche Bankgeheimnis.
Sie benötigen noch nicht einmal unsere Spargroschen.
Deshalb gibt es auch sowenig Zinsen dafür.
Aber die Regierung muss hohe Zinsen für das geliehene Geld zahlen, das sie an die Banken gegeben hat, um deren Verluste auszugleichen. Dafür müssen Sozialleistungen gekürzt werden, denn die kann die Regierung nicht mehr in dem Masse leisten wie bisher.
Es ist an der Zeit, den Nebel um das Geld zu lüften.
Denn das Geld dient vielen Herren.
Es dient uns, um unser täglich Brot zu kaufen,
das wir verzehren sollten, bevor es schimmelt.
Anderen dient es, um Vermögen anzusammeln.
Geld schimmelt nicht. Geld rostet nicht. Geld arbeitet.
Also doch?
Was aber bedeutet das, „Geld für sich arbeiten“ zu lassen? Hat schon mal jemand einen Geldschein mit einem Spaten in der Hand gesehen?
Geld arbeitet nicht. „Geld für sich arbeiten lassen“ bedeutet, dass dafür andere Menschen arbeiten müssen. So heisst es in der Sueddeutschen.
Diese Doppelfunktion des Geldes - Tauschmittel auf der einen Seite, damit wir Güter des täglichen Bedarfs kaufen können - und Sammelobjekt auf der anderen Seite, für die Leute, die Geld sammeln, so wie wir früher mal Rabattmarken gesammelt haben.
Und so wie die Rabattmarken in der Schublade verschwunden sind, ist dieses gesammelte Geld auch erst mal verschwunden. Unter der Matratze oder auf einem Bankkonto. Es muss nicht ausgegeben werden. Und da ist der Haken. Deshalb sprechen manche davon, dass Geld gehortet wird und damit dem Geldkreislauf entzogen wird.
Geld - eine unendliche Geschichte.
Geld hat soviele Facetten. Und täglich spüren wir die Auswirkungen.
Unser Land ist so reich wie nie zuvor. Und dennoch müssen wir den Gürtel enger schnallen, so heisst es. Wer es bis heute nicht geschafft hat, ein ausreichendes und dauerhaftes Einkommen zu erzielen, der ist bald aussen vor. Das ist ein unhaltbarer Zustand für unsere Gesellschaft.
Fazit: Geld arbeitet nicht. Geld zerstört.
Ist diese Behauptung übertrieben?
Sicherlich nicht. Wir brauchen uns nur umzuschauen, und wir entdecken all die Zerstörungen hinter den glänzenden Fassaden.
Und die haben hauptsächlich mit Geld zu tun.
Zum Beispiel mit Geld, das fehlt.
Was wäre, wenn Geld nicht mehr gehortet würde?
-.-
Meine heutige Empfehlung:
Interview mit einem Genie, 12 Jahre alt:
sonntags, 18.07.2010
Mit den Themen: Jugend und Visionen; Aktuell: Lob der Trägheit. Wie die Hitze unser Leben verlangsamt; 100Sek Leben: Die Sonnenanbeter; Die Box-Girls in Kreuzberg; Mutmacher: Josia Topf; Gayle Tufts
VIDEO, 27:22 Minuten - Das Interview startet nach drei Minuten acht Sekunden.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen