Wohin gehts Du, Deutschland?
Diesen Titel habe ich schon seit längerem geplant aufgrund meiner Beobachtung, was so alles in Deutschland geschieht und was so alles von deutschen Politikern in die Wege geleitet, getan, und angedacht wird.
Nach der Trauerfeier zu der entsetzlichen Katastrophe in Duisburg vor einer Woche - klingt makaber, ich weiss - schöpfe ich wieder Hoffnung.
Auf der heutigen Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche sprach Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin der Minderheitsregierung Nordrhein-Westfalens, folgende Worte:
"Der Vater eines der Opfer hat mir eine Bitte mitgegeben, die sich an uns alle richtet:
Der grausame Tod seiner Tochter könne im Nachhinein noch einen Sinn bekommen, wenn dieser Tod uns alle mahnt, unser aller Wertesystem zu überdenken.
Der Mensch, sein Wohlergehen und seine Sicherheit müsse wieder wichtigste Leitlinie unseres Handeln sein, vor allen anderen Motiven. Das muss und wird unsere gemeinsame Verpflichtung sein."
Der Mensch, sein Wohlergehen und seine Sicherheit, war schon immer die Leitlinie meines Handelns, und oft genug bin ich damit in meinem Leben angeeckt
oder unliebsam aufgefallen.
Aber es hilft alles nichts. Wenn Deutschland überleben soll, dann muss dies zur Leitlinie jedes Deutschen werden: "Der Mensch, sein Wohlergehen und seine Sicherheit ist die wichtigste Leitlinie meines Handelns, vor allen anderen Motiven."
Wenn Deutschland überleben soll, dann muss dies zur Leitlinie eines jeden deutschen Politikers werden: "Der Mensch, sein Wohlergehen und seine Sicherheit ist die wichtigste Leitlinie meines Handelns, vor allen anderen Motiven."
Ich bin dankbar für diese klaren Worte eines mit Sicherheit zutiefst erschütterten Vaters, der auf grausame Art und Weise seine Tochter verloren hat.
Er hat nicht gesagt: "Der Deutsche, sein Wohlergehen und seine Sicherheit", sondern "Der Mensch, sein Wohlergehen und seine Sicherheit müsse wieder wichtigste Leitlinie unseres Handeln sein". Und die Ministerpräsidentin hat hinzugefügt: "Das muss und wird unsere gemeinsame Verpflichtung sein."
Lasst uns dafür sorgen, dass sie und unsere anderen Politiker dieser Verpflichtung nachkommen können und auch nachkommen! Die Herausforderung ist gross.
Im Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" vom 25. Juli ist der Bericht eines Zeugen im Wortlaut - Udo, n-tv-Kameramann und Augenzeuge: "Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor."
Seitdem ich von diesem schrecklichen Ereignis in Duisburg zum ersten Mal erfahren habe, lassen mich die Gedanken daran und an die schrecklichen Ereignisse in Afghanistan nicht mehr los.
In Afghanistan schiessen deutsche Soldaten auf wehrlose Zivilisten, und deutsche Politiker sind stolz darauf neue Kanonen einzusetzen - angeblich als Abschreckung - sinnlos.
Deutschland ist im Krieg gegen Afghanistan. Eine Armee wird zermahlen.
Endlich hat es jemand gewagt, schonungslos über diesen Krieg zu berichten.
Der Mensch, sein Wohlergehen und seine Sicherheit sollte im Mittelpunkt unseres Handelns stehen. Und das ist mit Soldaten nicht möglich, das hat die Geschichte gezeigt. Es ist an der Zeit, dass die Politiker, die sich mit deutschen Kanonen brüsten, Rückgrat zeigen und diesen Krieg, den sie selbst schon lange verabscheuen, beenden.
Selbst Clausewitz würde den Rückzug empfehlen.
-.-
Meine heutige Empfehlung:
Spezial zur Trauerfeier in Duisburg: Unglück auf der Loveparade, 31.07.2010
Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben am Samstag in der Duisburger Salvatorkirche Angehörige, Rettungskräfte und Spitzenvertreter der Politik der Opfer der Loveparade gedacht. VIDEO, 30:01 Minuten
Tod bei der Loveparade - die Trauerfeier - Unglück auf der Loveparade, 31.07.2010
Trauer in Duisburg: Eine Woche nach der Katastrophe bei der Loveparade versammelten sich Angehörige, Helfer und Spitzenpolitiker in der Salvatorkirche zu einem Ökumenischem Gottesdienst.
VIDEO, 1:42:02
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Diese Trauerfeier ist Stunde Eins des seelischen Wiederaufbaues, so heisst es.
Gebet und Predigt von Bischof Overbeck, dem katholischen Bischof des Bistums Essen gelten für alle Deutschen, deshalb gebe ich den Text hier wieder:
Gebet:
Gott, Du schenkst Erbarmen und Gnade.
Du bist der Garant des Lebens, der Liebe, und der Hoffnung.
Und dennoch erleben wir, wie plötzlich das Leben und die Liebe enden
und wie schnell Hoffnungen zerbrechen.
Wir erfahren, dass unsere Welt nicht frei ist von Unheil,
und dass wir Menschen nicht alles sichern und regeln können.
Wir suchen Antworten auf unsere Fragen und Trost in unserer Bedrängnis.
Sei Du unsere Kraft und Stärke.
Richte Du uns auf und schenke uns Hoffnung und Zuversicht.
Darum bitten wir Dich im Heiligen Geist durch Jesus Christus unseren gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der mit Dir lebt und herrscht, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
Lesung: Psalm 139, Verse 1-12
Predigt von Bischof Overbeck, dem katholischen Bischof des Bistums Essen:
Liebe Trauergemeinde, liebe Schwestern, liebe Brüder,
vor allen Dingen liebe Angehörige und Verwandte,
Freundinnen und Freunde unserer Toten.
Es war vor einer Woche, fast zur gleichen Stunde:
Junge und hoffnungsfrohe Menschen sind auf dem Weg zur Loveparade.
So wie sie sehen wir Menschen uns gerne: jung, dynamisch, in Feierlaune,
völlig sicher dass alles gutgehen wird.
Am frühen Abend dann - das Chaos.
Tote und Verletzte.
So erleben wir uns auch. Von jetzt auf gleich bricht alles zusammen.
Menschen sterben, werden verletzt an Leib und Seele.
Viele stürzen in grosses Leid.
Leid, das lange währen wird.
So gegensätzlich, liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Trauergemeinde,
ist unser menschliches Leben.
In dem einen Moment ist Party angesagt, wie viele junge Leute sagen.
In dem anderen Moment liegen wir sehr hilflos am Boden.
Wir möchten das Leben gerne sicher steuern und haben es doch nicht im Griff.
Trotz unserer Hoffnungen sind wir dem Schicksal oft hilflos ausgeliefert,
gleich, woher wir stammen, gleich, wohin wir unterwegs sind,
gleich, ob gläubig oder nicht, ob wir Suchende sind,
oder auch schon gefunden haben.
Mir als Christ, und das möchte ich Ihnen allen sagen, hilft das, was wir im Psalm 139 gerade in der Lesung gehört haben: Gott ist vertraut mit all unseren Lebenswegen.
Gott umschliesst uns Menschen von allen Seiten und legt seine Hand auf uns.
Ich hoffe fest darauf, dass das auch in dieser Stunde und für alle Menschen gilt.
Für alle Menschen, die hilflos und verzweifelt sind und immer wieder nach dem "Warum?" fragen.
Wir Christen schöpfen diese Hoffnung daher, weil wir Gottes Gesicht kennen.
In Jesus Christus kommt er uns entgegen.
Von Ihm her wissen wir um seinen schönsten Namen: Gott ist Liebe!
Von Jesus selbst lernen wir, dass Gott auch dem Leid standhält.
Mehr noch, dass er selber das Leid auf sich nimmt für uns.
Das Kreuz steht dafür, und auch der wunderbare Name dieser Kirche,
in der wir uns heute morgen versammelt haben, sagt das.
Die Salvatorkirche steht für Jesus, den Erlöser, dem Heiland,
für den Gott, der mit seinem Gesicht einem Jeden entgegenkommt, besonders unseren Toten.
Ich glaube, dass eben dieser Gott, der uns in Jesus entgegen kommt,
auch das Leid dieser Stunde heilen kann.
Er hat uns nicht vor diesem Leid bewahrt
und er bewahrt uns auch nicht vor vielem anderen Leid.
Es gibt auch keine Antworten auf viele unserer Fragen,
und doch heilt er und ist er da - für die Toten, für die Verletzten, für die Trauernden,
für Sie, liebe Angehörige, Freundinnen und Freunde unserer Toten,
für die vielen Fragenden in unserem Land und weit darüber hinaus,
und auch für diejenigen, die sich der Verantwortung stellen müssen.
Liebe Schwestern und Brüder,
die Loveparade ist vor einer Woche an ein schreckliches Ende gekommen.
Es bleibt schwer mit dem zu leben, was geschehen ist.
Und doch bleibt etwas, und geht weiter,
was auch der Name der Loveparade zum Ausdruck bringt: Love heisst Liebe.
Und in der Bibel heisst es, dass Gott die Liebe ist. Sie bleibt.
Sie verbindet uns Menschen miteinander und mit Gott - über den Tod hinaus.
Denn die Liebe ist stärker als der Tod,
und sie trägt durch die Schrecken dieser Tage hindurch.
Wir werden jetzt für jede Verstorbene und jeden Verstorbenen ein Licht anzünden - zum Zeichen des Gedenkens, als Gebet und Bitte, als Hoffnungszeichen für ewiges Leben, zum Trost für alle Trauernden und Fragenden, als Zeichen menschlicher Liebe, die bleibt und auf Gott verweist, Gott, der die Liebe ist, und alle mit seiner Liebe umfängt.
In dieser Liebe leben die Toten, und einst, wenn wir sterben, wir auch selbst.
Amen.
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Es wäre eine gute Sache für Deutschland, wenn unser Bundespräsident, der an dieser Trauerfeier schweigend teilgenommen hat, daran anknüpfen würde, um eine neue Kultur der Verantwortung und der Berücksichtigung des Unsteuerbaren
zu fördern.
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