Heute Mittag gab es eine wenig beachtete Meldung:
Gefechte verhindern Besuch Guttenbergs in Nordafghanistan
16.07.2010 12:05 Uhr http://www.donaukurier.de/
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hält sich derzeit zu einem Truppenbesuch in Afghanistan auf. Ein Flug Guttenbergs zu Kampftruppen in der Provinz Baghlan musste jedoch wegen dortigen Gefechten in letzte Minute abgesagt werden.
Besuch des Oberkommandeurs fand nicht statt wegen Krieg? Mal was Neues!
Man wird die Frage doch stellen dürfen, warum Deutschland denn im Krieg ist mit Afghanistan.
Hat Afghanistan darum gebeten? Wenn die Russen irgendwo einmarschiert sind, hiess es immer, man habe sie darum gebeten. Die Russen waren bereits in Afghanistan. Jetzt sind es auch die Deutschen. Deutschland ist im Krieg mit Afghanistan, so liess Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg kürzlich verlauten. Afghanistan als Truppenübungsplatz? Wird Deutschland in Afghanistan verteidigt? Wieso eigentlich?
Was machen die denn da?
Interessiert eigentlich irgendjemanden hier in Deutschland, was die Afghanen davon halten? Z.B. Hamid Karzai, Afghanistans Regierungschef?
Interessiert es Sie? Vielleicht sollten Sie sich ein paar seiner Bemerkungen anschauen. Das westliche Bündnis hat bislang die Symptome, nicht die Ursachen des Terrors bekämpft, meint Hamid Karzai, seit 2004 Präsident von Afghanistan:
Was läuft falsch in Afghanistan?
von Hamid Karzai
Vor sieben Jahren begaben wir uns in Afghanistan mit dem Krieg, der die Taliban von der Macht verdrängte, auf eine Reise. Auf unserem Weg wurde viel für Afghanistan und die Welt erreicht. In weniger als 45 Tagen wurden die Afghanen 2001 von der Bedrohung des Terrorismus und den Taliban befreit. Damals machten sich die Menschen in Afghanistan große Hoffnungen auf eine sofortige wunderbare Zukunft. Einige dieser Hoffnungen wurden erfüllt. Unsere Kinder gehen wieder zur Schule. Ungefähr 85 Prozent der Afghanen haben nun Zugang zu einer grundlegenden Gesundheitsfürsorge, gegenüber 9 Prozent in 2001. Die Kindersterblichkeit, die 2001 zu den höchsten der Welt zählte, ist um 25 Prozent gesunken. Demokratie, eine freie Presse, wirtschaftliche Gewinne und bessere Möglichkeiten, den Lebensunterhalt zu bestreiten – all das ist vorhanden.
Doch bedauerlicherweise kämpfen wir immer noch gegen die Taliban und Al Qaida. Was genau haben wir falsch gemacht, was uns – und den Rest der Welt – weniger sicher macht?
Nach der Befreiung 2001 hat sich die internationale Gemeinschaft im Kampf gegen Extremismus und Terrorismus allein auf Afghanistan konzentriert, ungeachtet dessen, dass wir stets erklärten, dass unser Land nicht der richtige Ort für diesen Kampf sei. Der Kampf gegen den Terror kann nicht in afghanischen Dörfern ausgetragen werden. ... Man muss sich auf die Zufluchtsstätten derer konzentrieren, die die Extremisten ausbilden, ausrüsten, motivieren und sie aussenden, um uns allen zu schaden. Doch niemand wollte auf uns hören.
Solange wir die Wurzeln des Problems nicht gemeinsam angehen, indem wir die Unterstützung sowie die finanzielle Unterstützung des Radikalismus in jedweder Form beenden, werden wir den Terrorismus nicht besiegen.
Der Westen hat dies nicht richtig erkannt; er bekämpfte die Symptome des Terrorismus, versäumte es jedoch, die zugrunde liegenden Ursachen in Angriff zu nehmen.
Verzweiflung und Armut sind die Quellen, aus denen böswillige Kräfte ihre terroristischen Kader speisen. Doch wird sich dieses Umfeld nicht verändern, solange der politische Wille fehlt und es keine Maßnahmen seitens der USA und der Regierungen in der Region gibt, um in unseren Volkswirtschaften Arbeitsplätze zu schaffen, die Hoffnung geben.
Darüber hinaus müssen wir ... die Afghanen befähigen, für sich selbst zu sorgen und ihr Land zu verteidigen, damit sie eine Zukunft in Afghanistan haben und die Hoffnung, ihre Kinder in ihrer Heimat aufziehen zu können.
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