Samstag, 4. Juli 2015

Wohin geht das Geld, das von Griechenlands Banken abgehoben wird ?

Inzwischen sehe ich ganz klar, dass Griechenland den Euro retten soll. Aber das wird viel Arbeit bedeuten, und ob die bisherigen Akteure der Kommission dazu in der Lage sein werden, sei mal dahingestellt.

Ich habe mir vorgenommen, meinen Freitag-Blog nicht weiter zu ergaenzen - zwei Nachtschichten sind genug - und erst einmal abzuwarten. Es liest ja sowieso keiner.

Seit Beginn meiner Recherchen wundere ich mich, dass nur davon berichtet wird, dass die Menschen in Griechenland laufend Geld von den Bankautomaten abholen, aber es wird nicht darueber berichtet, was die Leute mit dem Geld machen. Nach meinem Verstaendnis brauchen diese Menschen das Geld, um - z.B. Lebensmittel - einzukaufen. Der Lebensmittelhaendler bringt dann das Geld wieder auf die Bank, und die Leute koennen es dort wieder abholen. Statt dessen wird nur berichtet, dass die Banken mit frischem Geld beliefert werden, weil sie keines mehr haben. Verbrennen die Leute das Geld?

Also habe ich bei Google gefragt:
Wohin geht das Geld, das von Griechenlands Banken abgehoben wird ? Und ich habe tatsaechlich Antworten bekommen, eine interessanter als die andere - auch deshalb, weil ich einigen Links in den Ergebnissen gefolgt bin.
Hier die Liste meiner gesammelten Links:

Plebiszit am Bankautomat
Milliarden haben die Griechen von ihren Konten abgehoben. Auch deshalb dürfte Tsipras jetzt eher bereit sein für eine Einigung. Trotzdem verliert er kaum an Popularität. von , Athen,


Dort geht es um eine TV Diskussion mit Maybrit Illner.

Diese Diskussion hatte ich mir angeschaut.

Teilnehmer:
Wolfgang Bosbach, Sven Giegold, Prof. Peter Bofinger, Prof. Hans-Werner Sinn sowie Kaki Bali, eine Beraterin der griechischen Regierung.

Hier einige Auszüge:

15:00 Wolfgang Bosbach: wenn der Staat aus eigener Kraft nicht leisten kann, seine Buerger zu versorgen, und will, dass andere Laender zahlen sollen, dann hat das mit Solidaritaet nichts zu tun.

15:30 Kommentar: Griechenland ist tief gespalten. Die einen sind gegen die Regierung Tsipras "Die haben doch garnicht verhandelt, haben doch alle nur an der Nase herumgefuehrt." Andere sind gegen Europa. Griechin: "Wir wollen kein Sparprogramm mehr, wir sterben einen langsamen Tod!"

15:50 Kommentar: Am Wochenende haben Griechen Milliarden von ihren Konten abgeholt. Ein regelrechter Bankrun. Seit Montag sind die Banken nun geschlossen. Ausnahme fuer Rentner. Fuer alle anderen gibt es am Automaten hoechstens 60 Euro am Tag. Dem Land fehlt die wirtschaftliche Kraft. Die Zahlen sind dramatisch. 2007 lag die Arbeitslosenquote bei 7,6%, 2014 ueber 26%.

16:58 Sven Giegold korrigiert: die Leute haben den Eindruck, es haette sich nichts getan, aber es hat sich was getan. Griechenland hat ueber die Jahre immer mehr importiert, das ist inzwischen ausgeglichen. Auch die Staatsneuverschuldung ist gesunken. Es ist sehr viel erreicht worden und gleichzeitig gab es ein Kaputtsparprogramm das haerter als woanders soziale Einschnitte mit sich gebracht hat.
17:57 Sven Giegold: "Was ich mir wirklich wuenschen wuerde, dass die Griechen auch von uns Europaeern eine Perspektive bekommen, die ihnen einen Verbleib in Europa ermoeglicht, denn letztlich brauchen wir Alle in Europa, sonst zerstoeren wir den Ruf der europaeischen Einigung."

22:22  Maybritt Illner: Lass uns ueberlegen, was Griechenland jetzt braucht!

22:50 Maybritt Illner: "Es lag ein Schuldenpaket - oder besser gesagt ein Entschuldungspaket auf dem Tisch, das so ausserordentlich gut war - wenigstens sagen das die Verhandlungspartner - dass man es eigentlich haette annehmen muessen. So ist es formuliert worden. Die Frage - Juncker, Schulz, Gabriel -  alle haben gesagt, dass dieses letzte Angebot an die Griechen wahnsinnig gross gewesen sei, bis an die Grenzen der Vertretbarkeit gegangen sei und grosszuegig gewesen sei.
Herr Bosbach, sagen Sie uns doch - "grosszuegig gemessen" - woran?"

23:10 Wolfgang Bosbach: "Im Grunde gibt es keine Verhandlung, die man jetzt als Ergebnis zur Abstimmung stellen koennte. Diese Volksabstimmung haette moeglicherweise Sinn gemacht, wenn man ein Verhandlungsergebnis gehabt haette. Die griechische Regierung haette dazu Ja gesagt, und haette dann das Volk gefragt 'Haltet ihr diese Auffassung? Ja oder Nein?'
Die Verhandlungen sind nie zu Ende gefuehrt worden, sondern in die laufenden Verhandlungen herein hat die griechische Delegation den Auftrag bekommen, die Verhandlungen abzubrechen und nach Hause zurueckzukehren, es gaebe ein Referendum. Aber es war klar, es ging bei diesen Verhandlungen nicht nur um die Frage von neuen Hilfsgeldern fuer Griechenland, sondern es ging auch um eine Ankurbelung der griechischen Wirtschaft, denn Griechenland fehlt es nicht an Hilfsangeboten, an neuen Krediten, sondern Griechenland fehlt es an hinreichender Wirtschaftskraft, internationaler Wettbewerbsfaehigkeit und an einem wirklich effizienten Staatswesen.
Wenn die griechische Regierung selber sagt, dass der Anteil der Schattenwirtschaft bei der Volkswirtschaft bei knapp 30% liegt; wenn die griechische Regierung selber sagt, wir haben im Moment Steuer-Aussenstaende von ueber 70 Milliarden Euro, fuer Griechenland ein gewaltiger Betrag, dann macht das doch deutlich, dass die Probleme nicht nur bei mangelnder europaeischer Solidaritaet liegen, sondern an der mangelnden Modernitaet der griechischen Wirtschaft und an einer wirklich effizienten Verwaltung des Staates.  Und daran aendert man mit Milliarden nichts, und diese Probleme kann nur Griechenland selber loesen.

Maybrit Illner:  "Warum, Frau Bali, war fuer Herrn Tsipras mit all den genannten Dingen dieses Papier nicht annehmbar und damit eine Frage der Ehre und des Stolzes, es abzulehnen?"

Kaki Bali: "Ich will zwei kleine Beispiele nennen, damit man das ein bisschen versteht. Von den ganz konkreten bestimmten Sachen, die in diesem Papier drin waren, war eine  die Erhoehung der Mehrwertsteuer auf Hotel und Gastronomie mitten in der Touristk-Hochsaison. [Illner: "Von 13 auf 23%"] - nein, Von 6 auf 32% - und dann gab es noch die Grosszuegigkeit, das zu 13% zu machen. 
Stellen Sie sich mal vor, es ist Oktoberfest, und ploetzlich muss jeder Hotelier in Muenchen von 7 auf 19% gehen! Einfach so. Und das soll fuer die Verbesserung der Wettbewerbsfaehigkeit sein, und die Konjunktur soll ploetzlich sprudeln. So sollen Arbeitsplaetze geschaffen werden!
Oder man sagt, die Rentner in Griechenland, die bekommen zu schnell ihre Rente und bekommen zuviel Geld, dafuer muessen die Leute in Estland und Slowakei bezahlen. Ich wuerde es anders formulieren: Stellen Sie sich mal vor, Sie sind drei Wochen vor dem Vorruhestand. Sie haben Ihr Leben so geplant. Und in diesem Krach [der EU-Verhandlungen] sagt die griechische Regierung 'ich werde das aendern, mit einem Anlauf von sechs Monaten', und die andere Seite sagt: 'Nein, ab dem 1. Juli'... Das ist unmenschlich!"

Maybrit Illner:  "Hat man auf der Titanic auf Autopilot gestellt? Hat man mit Zahlen ein strukturelles Problem zu loesen versucht?"

Prof. Peter Bofinger: "Ich glaube, was wir erlebt haben, war ein 'Game of Chicken'.
'Game of Chicken' ist ja so ein Spiel, wo junge Maenner aufeinander zufahren und der, der zuerst ausweicht, hat verloren. Und das was wir erlebt haben, ist ein 'Chicken Game', wo eigentlich keiner mehr ausgewichen ist."

Prof. Peter Bofinger: "Ich habe den Vorschlag gemacht, macht doch einen Lastenausgleich. Das haben wir damals in Deutschland auch gehabt." ... "Steuererhoehung in einer Rezession ist keine gute Idee."

Prof. Hans-Werner Sinn:  "Ich habe damals gesagt, geben wir den Griechen Geld als Deutsche, ohne Bedingungen." ... "Glaeubiger und Schuldner haben immer Probleme miteinander."

Prof. Peter Bofinger: Griechenland kann es schaffen, wenn die europaeische Seite nochmal drueber nachdenkt. Drachme als Buchgeld, Euro als Bargeld.

Sven Giegold:  Es macht keinen Sinn, den schwaechsten rauszuwerfen.
"Was wir nicht haben, ist gemeinsame Politik." Die Hinterzimmer-Verhandlungen muessen durch demokratische gemeinsame Politik ersetzt werden.

Maybritt Illner:   "So sollte Europa ja mal sein" Mit dem Euro sollten die Laender zusammen wachsen. Nun ist das Gegenteil der Fall, alle stroemen auseinander.

Prof. Hans-Werner Sinn :     "Die Parlamente sind zu Erfuellungen der Zentralbanken geworden."

Prof. Peter Bofinger: "Die EZB hat einen tollen Job gemacht... Man muss Herrn Draghi dankbar sein!"

Wolfgang Bosbach:  "Wir haben immer gesagt: Geld gegen Reformen." Daraus ist geworden: Geld gegen Reform-Zusagen.

Griechenland: Das undemokratische Referendum
Nach dem Studium dieser Unterlagen erkenne ich, dass ich mit meinem Blog
http://www.deutscheheimat.blogspot.com/2015/07/was-wollt-ihr-denn-noch.html 
doch ziemlich zutreffende Aussagen gemacht habe.
Nun habe ich es mir doch noch mal ueberlegt. Da diese Liste bereits mit Zitaten ausgestattet ist, habe ich daraus einen weiteren Blog gemacht.

Titel: Wohin geht das Geld, das von Griechenlands Banken abgehoben wird ?

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